Sophia Popov: Sie spielt für Mutter und Bruder

von Redaktion

Tokio – Bis nach Tokio hat Sophia Popov es schon mal geschafft. Der „Familienfluch“ wird aber erst endgültig gebannt sein, wenn Deutschlands Golf-Hoffnung am Donnerstag um 10.14 Uhr Ortszeit zum ersten Mal abschlägt.

Ihre amerikanische Mutter nämlich hatte sich als Schwimmerin für Moskau 1980 qualifiziert – dann kam der US-Boykott. Auch ihr Bruder, ein Leistungsschwimmer, träumte vergeblich von den Spielen, er scheiterte knapp an der Qualifikation für London 2012. Sophia machte es anders – und besser.

Das Schwimmen, das sie wegen der Erfahrungen ihrer Eltern als „unbelohnenden Sport“ bezeichnet, betrieb sie nur als Hobby. Mit dem Golfschläger aber stieg Popov durch ihren sensationellen Triumph bei der British Open 2020 zum Star in der Szene auf. Und zu einem heißen Eisen für Tokio.

Seit Golf 2016 olympisch ist, „war es für mich ein klares Ziel, irgendwann einmal mit dabei sein zu können“, sagte Popov, und „weil ich zwei andere Leute repräsentieren muss, von denen ich das Gefühl habe, dass sie in der Vergangenheit hätten dabei sein können“.

Dass Mutter und Bruder die 28-Jährige wegen des strengen Corona-Protokolls nicht begleiten dürfen, ist für Popov „wahrscheinlich der härteste Teil“.

Aus ihren Ambitionen macht Popov, die gemeinsam mit der Gladbeckerin Caroline Masson die deutschen Farben vertritt, keinen Hehl. „Das Ziel ist es natürlich, eine Medaille zu gewinnen. Der Ehrgeiz ist groß“, so die Nummer 26 der Weltrangliste.

Mit diesem Selbstverständnis trat Popov, die für den Golf Club St. Leon-Rot spielt, nicht immer auf. Der British-Open-Sieg war für sie aber im wahrsten Sinne des Wortes ein Befreiungsschlag.

Einen Medaillengewinn in Tokio würde sie „mit einem Major-Sieg gleichstellen“, aber dazu komme noch, „dass man die Medaille nicht nur für sich selbst, sondern hauptsächlich für Deutschland gewinnt. Das muss schon ein unglaubliches Gefühl sein.“  sid

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