Summen und Gurgeln

von Redaktion

Neuroathletik-Experte Lars Lienhard setzt bei der Arbeit mit Olympia-Athleten auf ungewöhnliche Techniken

München – 2018 sprintete Gina Lückenkemper bei der Leichtathletik-EM in Berlin zur Silbermedaille. Was von dem Erfolg vor allem hängen blieb, war die kuriose Trainingstaktik, die Lückenkemper anschließend verriet: Im Training oder vor Wettkämpfen, so die heute 24-Jährige, leckt sie an einer 9-Volt-Batterie. Das geschah auf Anleitung von Sportwissenschaftler Lars Lienhard. Der führende Experte im Neuroathletiktraining arbeitet unter anderem mit den Olympia-Athleten Alexander Zverev (Tennis), Christina Schwanitz (Kugelstoßen) oder auch den Sprinterinnen Corinna und Rebekka Haase zusammen. Unserer Zeitung gibt Lienhard Auskunft über …

die Grundlagen der Neuroathletik: Bei der Neuroathletik geht es darum, die zentralnervöse Bewegungssteuerung mit Hinblick auf die Anforderungen der Wettbewerbe zu optimieren. Welche bewegungssteuernden Komponenten werden vom Athleten benötigt, um die an ihn gestellten Bewegungsaufgaben optimal zu lösen? Was muss das zentrale Nervensystem können, um beispielsweise eine Rückhand perfekt zu schlagen? Wir setzen an den Schwächen der Athleten an und arbeiten dann mit den verschiedenen bewegungssteuernden Systemen, wie zum Beispiel dem visuellen sowie dem Gleichgewichtssystem, um den Körper so besser auf die bestimmten Bewegungsabläufe vorzubereiten.

Summen, Zungenkreisen und Gurgeln: Viele Bewegungskoordinationsprozesse werden durch das Stammhirn reflexiv und unbewusst gesteuert, die bekommen wir also gar nicht bewusst mit. Beim Summen, Zungenkreisen oder Gurgeln aktivieren wir wichtige Bereiche des Stammhirns. Die Nein-Nein-Bewegung, also das seitliche Beschleunigung des Kopfs oder auch Kniebeugen während man auf einen kleinen Buchstaben schaut sind Beispiele zum Training des Gleichgewichtssystems. Auch hierdurch wird das Stammhirn aktiviert.

das Schielen: Das Schielen ist eine witzige Übung, die gleichzeitig aber auch sehr nützlich ist. Um die Augen nach innen drehen zu können, muss das Mittelhirn sehr aktiv werden. Das Mittelhirn ist wiederum für viele Aspekte der Bewegungssteuerung verantwortlich, beispielsweise für die Regulierung der Muskelspannung bei Beugebewegungen.

Verletzungsprophylaxe: Man verletzt sich meistens, weil die reflexiven Komponenten der Bewegungsstabilisierung nicht optimal funktionieren. Je besser die Informationen zur Spannungsregulation vom Gehirn zu den Gelenken gelangen, desto sicherer und stabiler sind auch die Bewegungsabläufe.

NICO-MARIUS SCHMITZ

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