Die einmalige Gold-Chance

von Redaktion

Horne zählt in Tokio zu den Favoriten, in Paris ist Karate nicht mehr vertreten

VON NICO-MARIUS SCHMITZ

München – Jonathan Horne zaudert nicht lange. Am Samstag, dem vorletzten Olympiatag, startet der 32-Jährige in die Karate-Wettkämpfe über 75 Kilo. Und das Ziel ist klar: „Ich freue mich darauf, mich mit den Besten der Besten zu messen. Ich trete an, um Gold zu gewinnen.“

Das selbstbewusste Auftreten kommt nicht von ungefähr. Horne, der in der Disziplin Kumite antritt – zählt zu den besten Karateka der Welt. Über seine Kindheitshelden Bruce Lee und Jackie Chan fand er den Weg zum Kampfsport. Mittlerweile kann der Pfälzer zahlreiche Gewinne bei Europameisterschaften vorweisen, siegte zudem bei der Weltmeisterschaft 2018 in Madrid.

Karate zählt in Tokio zu den neuen Sportarten, die vom Gastgeber ausgewählt wurden. Horne erfuhr 2016 von den positiven Nachrichten, der Karateka weilte bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro als Gast im Deutschen Dorf. Dieses Gefühl wollte er selbst einmal als aktiver Sportler erleben.

Horne kämpfte sich durch 19 Qualifikationsturniere, reiste zwei Jahre um die Welt. Und sicherte sich sein Ticket für Tokio. Zumindest kurzfristig.

Dass die Spiele verschoben wurden, kam für Horne gar nicht so ungelegen. So konnte er in Ruhe die Geburt seiner Tochter miterleben. Weniger positiv war dann die Entscheidung des Karate-Weltverbands, dass sich die Sportler für 2021 neu qualifizieren mussten. Horne sprach von einem „herben Schlag ins Gesicht“, qualifizierte sich aber erneut. Somit ist Horne einer von drei Startern des Deutschen Karate Verbands, hinzu kommt Jasmin Jüttner. Jüttner tritt im Kata an, hier werden vorgegebene Bewegungsmuster gegen imaginäre Gegner vorgeführt. Die 28-Jährige qualifizierte sich erst im Juni dieses Jahres bei einem Wettkampf in Paris für Tokio. „Es war gleichzeitig der schönste und schrecklichste Tag“, erzählt sie. Morgens habe sie realisiert, dass nun der Tag gekommen ist, für den sie jahrelang alles geopfert hat. Jüttner behielt die Nerven, setzte sich durch. „Als ich es dann geschafft habe, kam alles aus mir raus. Ich habe so viel geweint an diesem Abend.“ Anschließend ließ Jüttner sich im Künstlerviertel Montmarte porträtieren. Eine Medaille sei nach all dem Aufwand der letzten Jahre nun auch in Tokio ihr Ziel.

Dasselbe gilt für Horne. Und zwar nicht irgendeine Medaille, die goldene soll es sein. Die Vorbereitung lief sehr gut, erzählt Horne, er ist auf den Punkt topfit. Doch es gibt einen entscheidenden Punkt, der die Stimmung trübt. 2024 in Paris wird Karate schon nicht mehr zum olympischen Programm gehören. „Dass man eine Sportart rauskickt, bevor sie sich präsentieren konnte, ist nicht der richtige Weg. Das ist auch für den Sportler, der die Disziplin vor Ort präsentiert, demoralisierend.“

Doch damit will sich Horne jetzt erst mal nicht weiter beschäftigen. Der Plan: „Ich will als aktiver Sportler Geschichte schreiben und das Ganze dann noch mal als Trainer erleben.“

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