Kauls Traum endet im Rollstuhl

von Redaktion

Zehnkampf-Weltmeister muss aufgeben – Vetters Zitterpartie – Krause Fünfte

Tokio – Niklas Kaul saß im Rollstuhl, das Gesicht in den Händen vergraben, die Schmerzen waren zu groß – der Zehnkampf-Weltmeister musste seine Medaillenhoffnungen begraben. Eine Fußverletzung bremste den 23-Jährigen im abschließenden 400-m-Lauf nach etwa der Hälfte des Rennens, er wälzte sich auf dem Boden und wurde dann im Rollstuhl aus dem Stadion gefahren. Besonders bitter: Für den Mainzer schien zumindest Bronze in Reichweite. „Das ist ungeheuer tragisch. Er war im richtigen Moment fit. Da ist ein Traum geplatzt“, bedauerte Idriss Gonschinska, Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Vor seinem Aus hatte Kaul eine starke Vorstellung gezeigt, er lag auf Kurs Bestleistung, steuerte über 8700 Punkte an. Nach 11,22 Sekunden über 100 m, 7,36 m im Weitsprung und 14,55 m mit der Kugel gelang Kaul im Hochsprung mit 2,11 m eine persönliche Bestleistung – doch ausgerechnet bei dem Sprung verletzte er sich am rechten Fuß. Danach humpelte Kaul mit blutiger Socke aus dem Stadion. Teamarzt Andrew Lichtenthal behandelte ihn unter Hochdruck, mit einer dicken Bandage rannte er noch einmal los – doch die Schmerzen waren am Ende zu groß.

Im Siebenkampf der Frauen darf Carolin Schäfer (Frankfurt) hingegen mit einer Medaille liebäugeln. Die Vizeweltmeisterin von 2017 liegt nach vier Disziplinen mit 3801 Punkten auf Platz sieben, Rang drei ist für die 29-Jährige im Bereich des Möglichen. „Ich bin rundum zufrieden und gehe mit einem großen Lächeln aus dem Tag“, sagte Schäfer, die in diesem Jahr wegen gesundheitlicher Probleme bisher keinen Siebenkampf bestritten hatte und von einer Impfreaktion ausgebremst worden war.

Eine Zitterpartie lieferte Gold-Kandidat Johannes Vetter, 28, in der Speerwurf-Qualifikation ab. Mit 82,04 und 82,08 m hatte der Offenburger am Mittwochmorgen die zum direkten Einzug in die Entscheidung am Samstag (13.00 Uhr MESZ) geforderten 83,50 m verfehlt. Erst im letzten Versuch klappte es mit 85,64 m. Von der kraftvollen Leichtigkeit des Topfavoriten, der Ende Mai 96,29 m geworfen und 2020 mit 97,76 m die zweitbeste Weite der Geschichte erzielt hatte, war aber wenig zu entdecken. „Es kam heute auf die direkte Qualifikation an, die habe ich geschafft“, sagte Vetter: „Aber seit den Wettkämpfen vor Olympia ist ein bisschen der Wurm drin. Ich kriege nicht das richtige Timing hin, dass ich sage, da passt alles, und dann knallt es da vorne.“

Bis Samstag werde er mit seinem Trainer Boris Obergföll nach Auswegen suchen, mit dem auch für die Fußball-Nationalmannschaft zuständigen Sportpsychologen Hans-Dieter Herrmann will er telefonieren: „Im Kopf ist relativ viel los.“

Hindernisläuferin Gesa Krause hatte von einer Medaille geträumt, am Ende wurde sie nach starkem Finish Fünfte (9:14,00 Minuten). „Ich habe definitiv ein couragiertes Rennen gemacht, natürlich ist auch ein bisschen ein weinendes Auge dabei“, sagte die WM-Dritte. Immerhin hatte sie ihre beste Olympia-Platzierung nach Rang acht 2012 in London und sechs 2016 in Rio geliefert.

Entscheidend war, dass Krause drei Runden vor Ende den Anschluss verlor, „ich hatte ein bisschen einen Hänger“. Vom Podest trennten sie schließlich 8,61 Sekunden. Gold ging an Peruth Chemutai (Uganda/9:01,45), die auf der Schlussrunde die zwischenzeitlich enteilte Courtney Frerichs (USA) noch überholte.  sid/dpa

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