Einmal auf einem FES zur Arbeit

von Redaktion

GLOSSE

VON GÜNTER KLEIN

Zugegeben: Bei Olympia nie vor sieben Uhr morgens eingestiegen. Man braucht ja seinen Schlaf. Zum Abschluss aber eine Ausnahme: In der Nacht von Samstag auf Sonntag den Marathon der Männer verfolgt. Bis etwa 1.40 Uhr, Kilometer 32, als Eliud Kipchoge das Tempo anzog. Wenn man von sich sagen kann, dass man ihn schon einmal – beim Berlin-Marathon 2018 – zum Weltrekord getrieben hat (sogar mit zwei Startwellen = 20 Minuten Rückstand und beidseitigem Fersensporn), weiß man: Der lässt sich dann nicht mehr einholen, wenn er sich abgesetzt hat.

Der eigene Sonntagvormittag-Lauf erhielt von der Smartwatch dann ein positives Feedback. Nehmen wir vielleicht Beschwingtheit mit aus den Olympischen Spielen in unser sportliches Alltagsleben?

Olympia hat Mut gemacht. Mit einer Ernährungsumstellung kann man 100-m-Olympiasieger werden. Mit einem Carbonplattenschuh und auf einer federnden Bahn können wir in ganz neue Leistungsdimensionen vordringen. Für einen Wunderschuh ist es nie zu spät – auch wenn man schon Wanderschuhalter hat.

Ein Traum wäre es, mal eine Bahnrennmaschine mit Aufschrift FES zu fahren. „Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES)“ ist kein sexy Markenname – aber diese geheimnisvollen schwarzen Teile mit dem Lenker aus dem 3-D-Drucker und den Scheibenrädern sind geballte Rad-Erotik. Die zwei Kilometer zur Arbeit einmal mit einem FES-Bike zu absolvieren, die Radkuriere und E-Radler stehen zu lassen – wie mit dem Formel-1-Boliden im Stadtverkehr.

Olympia in Japan hat uns einiges an Inspiration geliefert. Gerne würden wir uns nun zwei Jahre lang olympische Reife erarbeiten. Blöd nur, dass in gut einem halben Jahr Olympia in China ist. Mit ganz anderem Sport.

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