Messis Abschied unter Tränen

von Redaktion

„Schwierigstes Kapitel meiner Karriere“ – Wechsel zu PSG „eine Möglichkeit“

Barcelona – Lionel Messi kamen noch vor dem ersten Wort die Tränen. Seine Frau Antonella, die mit den gemeinsamen drei Söhnen in der ersten Reihe im Auditorium des FC Barcelona saß, reichte ihrem Liebsten sofort ein Taschentuch. „In den vergangenen Tagen habe ich viel nachgedacht, was ich eigentlich sagen kann. Die Wahrheit ist: Mir fällt einfach nichts ein“, sagte Messi mit leiser Stimme. „Das ist der Club, den ich liebe, und das ist nicht der Moment, den ich so erwartet habe.“ Millionen Fans auf der ganzen Welt verfolgten die Worte im Internet.

Als Messi seine Ansprache beendet hatte, erhoben sich seine Barca-Mitspieler, die zum Abschied des größten Vereinsidols gekommen waren, und applaudierten. Auch in ihren Gesichter stand die Traurigkeit über das völlig überraschende Ende der einzigartigen Beziehung zwischen dem FC Barcelona und Messi. Sein Blut sei erstarrt, meinte Messi zum Scheitern des neuen Vertrages mit seinem Herzensclub, zu dem er 2000 als 13-Jähriger gekommen war. Ein neuer Kontrakt bei Barca war nach Vereinsangaben an den Financial-Fairplay-Vorgaben der spanischen Liga gescheitert. Der katalanische Verein hat fast 490 Millionen Euro Schulden.

Wohin es nun gehen wird, wollte Messi nicht konkret beantworten. „Wir sprechen über viele Dinge“, sagte der sechsmalige Weltfußballer. „Bisher habe ich nichts vereinbart.“ Der 34-Jährige wird vor allem mit dem französischen Spitzenclub Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht, die Verhandlungen sollen weit fortgeschritten sein. Laut „L’Équipe“ sollte Messi womöglich noch am Sonntag den Medizincheck bei PSG absolvieren, spätestens aber an diesem Montag.

„Eine neue Geschichte wird beginnen und das wird das schwierigste Kapitel meiner Karriere“, sagte Messi, der schwer angefasst war – und immer wieder seine emotionalen Verbundenheit zu dem Verein betonte, der einst die Hormonbehandlung für den 13-jährigen „Floh“ mit Wachstumsstörungen aus dem argentinischen Rosaria übernommen hatte.

„Es ist so schwer für mich“, sagte Messi. Er habe angeboten, auf die Hälfte seines Gehalts (zuletzt geschätzte 140 Millionen Euro pro Jahr, Anm. d. Red.) zu verzichten. Auch das half nichts. „Im vergangenen Jahr mit dem ganzen Irrsinn wusste ich genau, was ich sagen wollte, in diesem Jahr ist es etwas anderes“, sagte Messi, der im Sommer 2020 den Verein hatte verlassen wollen. Damals war er mit der damaligen Clubführung nicht mehr klargekommen.

Nun sei es aber schwer, nicht mehr die Fans zu hören, „wie sie meinen Namen schreien“, betonte Messi, dessen Ankunft zur Pressekonferenz von Hunderten Anhängern vor Ort verfolgt worden war. Wenn er sich einen Abschied hätte vorstellen können, dann in einem vollen Stadion, meinte Messi, was in Corona-Zeiten aber nicht möglich war.

Mit Barca hat Messi insgesamt 35 (!) Titel gewonnen. Sollte er wirklich zu PSG wechseln, dürften die nächsten Erfolge nicht lange auf sich warten lassen. „Ich will die Champions League wieder gewinnen“, sagte er: „Ich möchte so viele Titel holen wie möglich.“ Es wäre ein realistisches Vorhaben – Paris hat ohnehin ein Weltklasse-Team: Neymar, der Kylian Mbappé, Italiens Europameister-Torwart Gianluigi Donnarumma, Auswahlkollege Marco Verratti, Ex-Real-Ikone Sergio Ramos. Dazu die starke argentinische Fraktion mit Angel di Maria, Leandro Paredes, Mauro Icardi – und Trainer Mauricio Pochettino. dpa

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