München – Dieses Wochenende geht es für den EHC München wieder aufs Eis. Er tritt beim Red-Bull-Salute-Turnier in Kitzbühel an, zunächst am Samstag, 20.30 Uhr, gegen den HC Kosice (Slowakei), am Sonntag gegen Salzburg oder Liberec. Ein Gespräch über die kommende Saison mit Christian Winkler, dem für den EHC München und auch Schwesterclub Salzburg zuständigen Sportchef.
Herr Winkler, die vergangene Saison endete für den Titelmitfavoriten abrupt mit dem Viertelfinal-Aus gegen den ERC Ingolstadt. Das hat den EHC München als Meister der Jahre 2016 bis 18 getroffen. Welche Schlüsse wurden daraus gezogen?
Es war nicht das, was wir erwartet hatten. Ein abruptes Ende, ein – im zweiten Spiel war es tatsächlich so – Sudden Death. Wir haben schnell und punktgenau analysiert und festgestellt: Wir brauchen frisches und junges Blut, mehr Mittelstürmer und mehr Leadership.
Ältere Spieler Mitte und Ende der Dreißiger mussten gehen: Mark Voakes, Chris Bourque, Derek Roy, Andrew Ebbett. Die wichtigen Zugänge wie Ben Smith und Ben Street sind mit 33 und 34 aber auch nicht mehr taufrisch, und nach wie vor fehlt es dem Kader an Spielern, die das „Mittelalter“ von 25 bis 30 repräsentieren.
Ich finde, dass wir im sogenannten Mittelalter mit Maxi Kastner, Yasin Ehliz, Kony Abeltshauser und unserem Neuzugang Freddy Tiffels gut vertreten sind. Im Endeffekt geht es um die Qualität, aber es ist auch eine Frage, was der Markt hergibt. Wichtig ist uns auch, dass wir unseren Fundus an jungen Spielern weiterentwickeln.
Das Entwickeln kann jedoch auch dazu führen, dass ein Spieler schnell weg ist. Wie John-Jason Peterka, der mit 19 in die NHL wechselt.
So läuft es eben. Ich sehe es als Auszeichnung für eine Organisation, wenn sie Spieler hat, die in bessere Ligen gehen.
Ist der nächste Peterka in Sicht?
Eins zu eins nicht. Aber in Julian Lutz, Sebastian Cimmerman und Filip Varejcka haben wir junge Spieler, die es nach oben schaffen können.
Aber der Traum ist die NHL?
Unbedingt. Früher sagten die Jungen, sie wollen mal in der DEL spielen, sie waren schon zufrieden, wenn sie aufs Mannschaftsfoto durften. Heute orientieren sie sich Richtung NHL.
Schauen wir Ihren Kader an.
Ein sehr guter Kader, mit dem wir absolut starten können.
Doch es sind noch Positionen offen. Der EHC hat erst sieben Importspieler. Eingesetzt werden dürfen neun, verpflichtet werden elf.
Wir halten die Augen offen. Wir stehen mit Keith Aulie, unserem langjährigen Verteidiger, in Kontakt. Er hatte vergangene Saison einen privaten Schicksalsschlag und musste nun erst einmal auf der großen Farm der Familie in Regina zur Hand gehen. Wir schauen auf den Markt der Free Agents in Nordamerika, doch der bewegt sich langsam. Es gibt zwar viele Spieler ohne Vertrag, die möchten allerdings lieber drüben bleiben.
Könnte es sein, dass Sie einen ausländischen Torhüter holen?
Ich weiß, dass es dazu andere Meinungen gibt – aber wir sind von Danny Aus den Birken und Daniel Fiessinger total überzeugt. In ihrem Schatten hat sich Daniel Allevena auch gut entwickeln können.
Hinter Danny Aus den Birken liegt aber eine ausgeprägte Verletzungsgeschichte.
Verletzungen gehören zum Sport. Bei Manuel Neuer hieß es nach zwei schweren Verletzungen auch: Das wird nichts mehr. Und jetzt ist man froh, dass man ihn hat. Dannys Fitness ist so gut wie nie, er hat über den Sommer mehr gemacht als je zuvor.
Trainer Don Jackson wird am 2. September 65. Rentneralter.
Dass Don sich dem Ruhestand nähern würde, kann ich bei ihm nicht feststellen. Er ist wie ein Jungbrunnen und höchst motiviert, die Scharte vom Vorjahr auszuwetzen.
Wie beurteilen Sie die Transfer-Aktivitäten der Konkurrenz?
Es wurden sehr viele gute Signings in der DEL gemacht. Corona hat nicht zum Einbruch geführt, der erwartet worden war. Es kann in der neuen Saison ja passieren, dass am Ende zwei Clubs absteigen müssen – von dem, was auf dem Transfermarkt passiert, leite ich ab, dass keiner unten rein rutschen will.
Was ist der Stand beim Thema Zulassung von Zuschauern? Erstes Heimspiel in der Champions League ist am 2. September.
Wir freuen uns über jeden, den wir reinlassen dürfen, denn das ist schon einer mehr als letztes Jahr. Wir sind im Austausch mit den Gesundheitsbehörden.
Wie wird die Lage beim Turnier in Kitzbühel sein?
Da sind 1000 Zuschauer erlaubt. Stehplätze gibt es keine, doch die Sitzplätze können gefüllt werden.
Voraussetzung für den Zutritt?
3G.
Sind alle EHC-Spieler geimpft?
Trainer, Spieler und Betreuer sind fast vollständig geimpft. Eine Impfpflicht gibt es bei uns aber nicht. Auch wenn es besser im Sinne der Gemeinschaft ist – wir werden natürlich niemanden zwingen. Da hat man dann eben einen größeren Aufwand mit der Teststrategie.
Der EHC geht in seine letzte komplette Saison in der alten Olympia-Eishalle. Kommt schon Wehmut auf?
Das ist aktuell kein Thema. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten sind wir vielmehr froh und dankbar, überhaupt spielen zu können.
Interview: Günter Klein