„Für 1860 sind wir eine sportliche Gefahr“

von Redaktion

Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny über die Rivalität zu den Löwen und ehrgeizige Ziele

München – Wenn sich 1860 und Türkgücü duellieren, ist ordentlich Feuer drin. Erstaunlich viel für eine so frische Rivalität in der 3. Liga. Wir sprachen darüber mit Max Kothny (24), dem Geschäftsführer von Türkgücü.

Herr Kothny, nach zwei Unentschieden in der Liga und einer Niederlage im Pokal – wie bewerten Sie den Saisonstart?

Optimal wären natürlich nur drei Siege gewesen. Wenn du wie wir einige neue Spieler in der Mannschaft hast, ist es okay, mit zwei Remis zu starten. Die Niederlage gegen Union war bitter. Aber gegen einen Bundesligisten kann man mal verlieren.

Jetzt steht das Derby gegen den TSV 1860 an. Aus Ihrer Sicht ein Duell auf Augenhöhe?

Sportlich glaube ich schon, dass es ein Duell auf Augenhöhe ist. Was die Vereine insgesamt angeht, fehlt uns noch die Struktur. Dort sind wir bei weitem noch nicht auf Augenhöhe. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wird es ein brisantes Duell.

Womit wir beim Thema wären: der Brisanz. Die Animositäten zwischen beiden Vereinen sind bemerkenswert. Läuft das in eine gefährliche Richtung?

Das glaube ich nicht. Natürlich sind wir für Sechzig und seine Fans greifbarer dadurch, dass wir in einer Liga spielen. Aber die Münchner Rivalität zwischen Bayern und den Löwen ist so groß, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das irgendwann ausartet.

Welchen Grund sehen Sie denn für die Feindschaft zwischen beiden Clubs?

Feindschaft ist ein hartes Wort, ich würde eher von Konkurrenz sprechen. Zum einen sind wir ungeliebter Gast in deren Stadion, obwohl wir uns durch den Umzug ins Olympiastadion aktiv um eine Entlastung bemühen. Zum anderen, und das bekomme ich auch persönlich mit, da die Fans ihre Meinung ja gerne über soziale Netzwerke teilen: Wir sind halt anders als diese gelebte Tradition bei Sechzig. Wir gehen einen zielstrebigen Weg, der vielleicht nicht alle ungeschriebenen Fußballgesetze einhält. Und anders als der TSV, der mal ganz oben war und sich nun wieder hoch arbeiten muss, was aktuell ja ganz gut läuft, stellen wir als Verein, der gerade frisch nach oben kommt, natürlich eine sportliche Gefahr in der eigenen Stadt dar.

1860-Trainer Michael Köllner bezeichnete Türkgücü im Frühjahr als „Katastrophe“. Sitzt dieser Stachel noch tief?

Nein. Ich glaube, das war ein Ausrutscher von Michael Köllner. Ich selbst würde mir niemals anmaßen, mich über Sportliches oder die Geschäftsführung eines anderen Vereins zu äußern. Das würde er heute sicherlich auch nicht mehr so machen.

Weiter hieß es aus Löwen-Richtung, eine kontinuierliche Entwicklung sei der Grundstein für Erfolg. Nun verfolgte Türkgücü auch in diesem Sommer einen gänzlich anderen Weg und holte gleich 16 neue Spieler. Prallen da am Samstag also auch in dieser Hinsicht zwei Welten aufeinander?

Am Ende geht es darum, irgendwann einen Mittelweg zu finden. Aber wenn man sich als Verein neu aufbaut und man gar nicht die erforderliche Infrastruktur hat, dann muss man natürlich erst mal die erste Mannschaft als Zugpferd etablieren und kann dann irgendwann auf den Nachwuchs setzen. Aber bei der Münchner Konkurrenz, insbesondere im Nachwuchsbereich, haben wir ohne Nachwuchsleistungszentrum gar keine Möglichkeit, jungen Talenten einen Anreiz zu bieten und organisch eine Mannschaft aufzubauen. Von daher haben beide Wege ihre Berechtigung.

Sie sprachen es an: Bis wann soll denn auch Türkgücü ein solches NLZ vorweisen können?

Ich habe es aufgegeben, Jahreszahlen in den Raum zu werfen. Wir befinden uns mit Politik und Stadt in sehr konstruktiven Gesprächen. Grob kann ich sagen, dass es unser mittelfristiges Ziel ist.

Wird Türkgücü denn noch mal tätig in dieser Transferperiode?

Eigentlich nicht. Der Kader ist für die 3. Liga überdurchschnittlich gut und steht vom Grundgerüst her. Wir sondieren natürlich dauerhaft den Markt, aber geplant ist erst mal nichts.

Bleibt noch die Frage, wie das Derby ausgeht: Was sagen Sie?

Ich denke, es wird knapp. Aber ich bin guter Dinge, dass wir gewinnen.

Interview: Jacob Alschner

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