Besondere Bundesliga-Saison

Herantasten an die Zeit vor Corona

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Ein Beispiel dafür, wie der Bundesligafußball der Saison 2021/22 angenommen werden wird, könnte der FC Augsburg sein. Er geht in sein elftes Jahr da oben, er hat in Markus Weinzierl den Trainer zurück, der ihn einst in die Europa League brachte, die Stimmung für den FCA in der Stadt ist spürbar positiv, die Neuzugänge machen Hoffnung. Doch bevor es am Samstag gegen die TSG Hoffenheim losgeht, erlebt der Verein eine Zurückhaltung, die er nicht kennt. 17 000 Mitglieder haben eine Dauerkarte, die jetzt aber noch nicht gilt, weil durch die Corona-Pandemie nur 10 700 Personen eingelassen werden dürfen. Man könnte sich nun vorstellen, dass die verfügbaren und günstigen Tickets (19,07 €) im Losverfahren vergeben würden. Doch dem ist nicht so: Von den Mitgliedern griffen nur 6500 zu, der Rest ging in den freien Verkauf, auch Gästefans, eigentlich noch nicht vorgesehen im Hygienekonzept der Liga, sind willkommen. Die Arena wird also wohl nicht mal zum aktuell erlaubten Drittel ihrer Kapazität besetzt sein.

Man wird ein paar Spieltage der neuen Saison ins Land ziehen lassen müssen, ehe man weiß, ob der Bundesliga-Fußball seine Selbstläufer-Charakteristik bewahrt oder in der größten Krise seiner Geschichte verloren hat. Warum der ersehnte erste Spieltag unter gelockerten Bedingungen nicht zum Run führt, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren: Lassen die Menschen angesichts der Infektionslage doch noch Vorsicht walten? Empfinden sie die 3-G-Regelungen und den mit ihnen verbundenen Dokumentationskrieg als zu lästig? Liegt es ganz trivial an der Urlaubszeit, dass weniger kommen wollen? Oder ist aus den eineinhalb Jahren ohne Stadionbesuch das Gefühl erwachsen, es könnte auch ohne gehen? Hat sich eine schon vor Jahren begonnene Entfremdung vom Profifußball und seinen Auswüchsen durch dessen Anspruchshaltung in der Pandemie manifestiert? Und bleiben sogar die Ultras weg, solange im Schachbrettmuster gesessen werden muss?

Es wird wohl eine Saison, in der man sich herantastet an das, was „die Zeit vor Corona“ war. Was hilfreich für alle Interessierten und Beteiligten wäre: Wenn es ein stetiger Prozess werden könnte, nicht unterbrochen durch ein neuerliches Abschließen der Stadiontore von innen, weil die Infektionszahlen nach oben schießen. Das erste regulär ausverkaufte Bundesligaspiel wäre jedenfalls ein historisches Ereignis.

Guenter.Klein@ovb.net

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