Hauptsach‘ g‘sund samma. Auch das kann eine durchaus positive Bilanz sein, wenn es schon sonst nicht allzu viel Erfreuliches gegeben hat. Okay, an diese pandemischen Spiele in Tokio dürfen auch gerne mal andere Maßstäbe angelegt werden als der Platz im Medaillen-Ranking, wo die Deutschen so schlecht wie nie seit der Wiedervereinigung abgeschnitten haben. Gut war, dass sie überhaupt stattfinden durften und dass das deutsche Team gesund nach Hause gebracht werden konnte, was den Delegationsleiter Hörmann dann doch sehr erfreute.
Er selbst, der im Herbst als DOSB-Chef abgelöst wird, muss sich nicht mehr die großen Gedanken machen, ob das, was im deutschen Leistungssportbetrieb zuletzt angestoßen wurde, wirklich zukunftsfähig ist. Darum werden sich künftig andere kümmern (müssen). Große Hoffnungen aber, dass schon 2024 in Paris der Trend wieder nach oben gehen wird, sollten wir uns nicht machen. Sondern erst mal darum kümmern, dass die Basis, ohne die es keine Spitze gibt, nicht noch stärker wegbricht.
Gerade hat der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) recht ernüchternde Zahlen vorgelegt. Über zehn Prozent beträgt der Rückgang bei den Kindern bis 14 Jahren, mehr als 100 000 Mitglieder haben die bayerischen Vereine in dieser Altersgruppe im Vergleich zu 2019 verloren, bei den unter Sechsjährigen gibt es mit 25 Prozent die größten Verluste. Ist natürlich vor allem Corona geschuldet, doch ein Selbstläufer, wie früher mal, ist der Vereinssport schon lange nicht mehr. Zumal, wenn er in der Pandemie von Staats wegen wohl viel länger als nötig stillgelegt wurde.
Klar, dass sich die Kids da anderweitig orientieren, an Smartphone und Konsole Abwechslung suchen in ihrem tristen Lockdown-Alltag, noch dazu angefeuert von Sportverbänden. Emsig hat sich gerade der Bayerische Fußballverband bemüht, immer neue Wettbewerbe für eFootballer ins Leben zu rufen, wohl in der vagen Hoffnung, mit den virtuellen Kickern den Rückgang der Mitgliederzahlen abzufedern. Irgendwie muss man sie doch packen können, die Kids, wenn es schon nicht mehr gelingt, sie mit Spaß an körperlicher Aktivität aus der Lethargie zu reißen.
Gesünder wäre natürlich schon, sie wieder mit dem, was wir immer unter Sport verstanden haben, zurückzugewinnen. Das hat der BLSV zumindest mal vor, dort arbeitet man gerade an einem „Lebenszyklusmodell“ für die „Generation Z“ (womit die Altersgruppe von 11 bis 25 gemeint ist). Für sie wolle man konkrete Angebote entwickeln, die aber noch ziemlich wenig konkret sind.
Womit lässt sich diese Generation der „digital natives“ eigentlich begeistern? Mit tollen Bildern von Olympia? Oder, wie man beim BLSV hofft, mit einem Event wie den European Championships, die 2022 großen Sport nach München bringen und zur Nachahmung animieren könnten? Aber wollen Mädchen nicht viel lieber „Germanys Next Topmodel“ werden? Reizen unsere Jugendlichen nicht viel mehr Castingshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder das „Supertalent“?
Ach, wäre doch toll: Eine aufgeblasene TV-Show, um Talente für den Sport zu casten. Heidi lässt die Mädels sprinten, der Bohlen meckert über Jungs, die schon für einen Klimmzug einfach zu träge sind. Würde den Kids bestimmt Beine machen und zu Höchstleistungen trimmen. Super, und doch eine urkomische Vorstellung. Sollten wir die Jugend wirklich nur noch so motivieren können, haben wir ohnehin verloren. Spaß und die reine Freude an Sport und Bewegung sind noch immer die beste Antriebsfeder. Das müssen wir vermitteln. Ohne Druck, ohne überzogene Erwartung. Dann passt bestimmt auch bald mal wieder der Medaillenspiegel.
Die Nachwuchssorgen werden immer größer: Doch wie soll man die „Generation Z“ für Sport begeistern?