Auftakt mit viel Analyse-Potenzial

von Redaktion

„Es war recht wild und zerfahren“ – Nagelsmann will Bayern-Elf im Spielbetrieb entwickeln

VON PHILIPP KESSLER

Mönchengladbach – Endlich wieder Bundesliga! Das 1:1 des FC Bayern beim Auftaktspiel in Gladbach weckte Lust auf mehr. Weil es hin und her ging. Und weil es auch in Sachen Emotionen abwechslungsreich war. Nicht zuletzt für Julian Nagelsmann. Mal war der neue Bayern-Trainer zufrieden, zeigte den Daumen nach oben und ballte beim Ausgleichstreffer durch Robert Lewandowski die rechte Faust. Mal schrie er, mal pfiff er mithilfe der Finger und gab seinen Spielern lautstark Anweisungen. Ab und zu musste sich Nagelsmann aber auch ärgern, legte seine Hände in den Nacken, an die Wangen oder rieb sich die Augen.

„Insgesamt war es recht wild, recht zerfahren. Für Zuschauer interessant, für Trainer viel zu analysieren“, sagte der Coach nach der unterhaltsamen Partie, in das die Bayern seiner Meinung nach „sehr schlecht“ gestartet sind. Der deutsche Rekordmeister hatte gegen Gladbach, das anfangs ordentlich Druck machte, viele Ballverluste in der Spieleröffnung. Generell muss die Defensive noch stabiler werden. „Dass wir uns da verbessern wollen, ist völlig klar. Wir haben letztes Jahr zu viele Gegentore bekommen und die Anfangsphase hat auch gezeigt, dass Gladbach zu viele Chancen hatte“, betont Nagelsmann. „Das hat aber auch viel mit dem Spiel mit Ball zu tun.“

Das Einhalten gewisser Positionen ist nach Ansicht des Trainers wichtig, um bei Ballverlust eine gute Restverteidigung zu haben. Es sei sonst schwierig, Räume zu schließen, die ein Mitspieler aufmache. „Diese Struktur zu haben, ist ein wichtiger Baustein, um im Gegenpressing effizienter zu sein“, erläuterte Nagelsmann: „Das wird schon eine Aufgabe, aber jeder Spieler ist bereit dazu. Die haben auch keine Lust, Gegentore zu kriegen.“

Dass zum Saisonauftakt noch nicht alles rund läuft, ist angesichts der schwierigen Vorbereitung mit Verletzungen und der späten Rückkehr der EM-Fahrer nur logisch. Fakt ist aber auch: Einiges funktionierte gegen Gladbach schon ganz gut. Vor allem Nagelsmanns Prinzip „der minimalen Breite“ war erkennbar. Das bedeutet: Die Flügelspieler kleben nicht an der Außenlinie, sondern rücken ein Stück in die Mitte. Das trichterte er seinen Profis vor dem Pflichtspiel-Start regelmäßig ein – mit Erfolg.

Die Außenverteidiger Alphonso Davies, der mit 21 gewonnenen Duellen der beste Zweikämpfer auf dem Platz war, und Josip Stanisic (21), der für den verletzten Benjamin Pavard (25/Sprunggelenk) in die Startelf rückte, setzten dies gut um. Sie kreierten Chancen und wurden selbst gefährlich. Generell spielte sich Bayern mit Steilpässen viele Tormöglichkeiten heraus, was auch positiv zu erwähnen ist.

Ebenfalls auffällig: Joshua Kimmich ließ sich oft fallen, rückte zwischen die Innenverteidiger, verteilte so die Bälle im Spielaufbau. Für die Bayern geht es jetzt Schlag auf Schlag. Durch den Supercup am Dienstag in Dortmund und das Nachholspiel (25. August) im Pokal bleibt weniger Zeit zum Trainieren. „Wir werden uns auch über die Spiele entwickeln müssen“, sagt ein dennoch optimistischer Nagelsmann.

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