Zum Tod von Gerd Müller

Der Bomber der Herzen

von Redaktion

Armin Gibis

Gerd Müller ist tot. Eine Nachricht, die jeden Freund des Fußballs, der diesen einzigartigen Spieler einst miterlebte, tief berührt, ihm einen Stich der Trauer versetzt. Dabei kam die Nachricht nicht überraschend. Schon vor Jahren ist Müller von einer heimtückischen Krankheit heimgesucht worden; es war bekannt, dass ihn keine medizinische Hilfe aus seinem Dämmerzustand würde befreien können. Und doch ist es für viele, als hätte man einen Freund verloren, einen guten Sportkameraden, dem man eine Menge Freude und wunderbarer Erinnerungen zu verdanken hat. Gerd Müller, der grandiose Torjäger, der Bomber der Nation, dieser herzliche, durch und durch uneitle Sportsmann verkörperte deutsche Fußballgeschichte wie kaum ein anderer. Er schoss Tore, die man nie vergessen und so mancher in seinem Herzen bewahren wird. Und nun soll der Gerd, den alle mochten und schätzten, tatsächlich tot sein? Es ist wirklich nur schwer zu fassen.

Die Nationalmannschaften in Müllers großer Zeit waren geprägt von starken, zum Teil eigenwilligen Persönlichkeiten. Beckenbauer, Netzer, Breitner, Hoeneß, Overath. Gerd Müller hat sich an deren Seite nie in den Vordergrund oder gar vors Mikrofon gedrängt. Doch der in technischer Hinsicht nicht einmal hochbegabte Fußballer hatte eine Fähigkeit, die ihn weltweit zu einem Superstar machte. Wie kein anderer beherrschte er das, worauf es im Endeffekt im Fußball ankommt: Er konnte Tor schießen. Viele aus dem scheinbaren Nichts. Viele sahen nicht schön oder schon gar nicht spektakulär aus. Es waren Tore – und das in unglaublicher Anzahl –, die nur er, der Mann mit dem Torriecher, schießen konnte. Müller-Tore eben. Mit ihnen löste er in herrlicher Regelmäßigkeit kollektive Glücksgefühle aus, sie machten ihn zu einem Phänomen. Er schoss Deutschland zum EM-Titel (1972) und zum WM-Titel (1974), seine 365 Bundesligatore sind die Grundmauern, auf denen der heutige Weltclub FC Bayern steht. Mit seinen Treffern setzte sich Müller schon zu Lebzeiten ein Denkmal.

Doch ebenso erstaunlich wie seine Rekorde war, dass Müller bei allem Ruhm immer normal, also er selbst geblieben ist: Der Gerd aus Nördlingen. Mitunter drängte sich sogar der Eindruck auf, dass es ihm völlig egal war, eine Berühmtheit zu sein. Er wollte nur Fußball spielen. Und vor allem Tore schießen. Viel mehr schien er nicht zu brauchen. Auch das macht ihn einmalig.

Armin Gibis@ovb.net

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