FC Augsburg
Die Zuschauer sind zurück, die VIPs haben ihre Logen wieder und ihr Tippspiel. Eine der lokalen Augsburger Wichtigkeiten sagte für das Spiel seines FCA gegen Hoffenheim ein 0:3 voraus, kam damit dem realen Ergebnis von 0:4 am nächsten und erhielt als Preis einen von der kompletten Augsburger Mannschaft unterschriebenen Ball. Kapitän Jeffrey Gouweleeuw, bei der Verkündigung des Tagessiegers anwesend, blickte angemessen finster drein. Dass ein Anhänger, der viel Geld ausgibt, um dabei zu sein, gegen die eigene Mannschaft wettet – und dann noch in der freudigen Augsburger Aufbruchstimmung um Trainer Markus Weinzierl.
Doch der Edelfan war geschichtskundig. Bis auf die Vorsaison unter Heiko Herrlich als Coach hat der FCA in bislang zehn Jahren Bundesliga fast jeden Saisonstart versemmelt, und auch Weinzierl, der mit Augsburg (2012 bis 16) und Schalke (2017) schon erste Spieltage erlebt hatte, geriet in sein vertrautes persönliches Fahrwasser: kein Tor, Niederlage. Aber gleich so heftig: Das 0:4 tat weh, weil der FCA bei den Hoffenheimer Kontern zum 0:2, 0:3 und 0:4 richtig hergespielt wurde. Auch wenn Gouweleeuw beschwichtigte: „Im Spiel hat es sich nicht so angefühlt wie ein 0:4“ – die Zweifel sind geweckt, ob die Augsburger die angestrebte sorglose Saison erleben werden. Königstransfer Niklas Dorsch, sieben Millionen schwer, agierte mit hoher Fehlerquote. Eine Einzelbewertung lehnte Weinzierl da lieber ab: „Bei 0:4 müssen wir über das Kollektiv reden.“
Die Aufsteiger
Der Spielplangestalter bei der DFL (beziehungsweise die Person, die die Software pflegt) hat kein Herz. Es war mal ungeschriebenes Gesetz, dass die Aufsteiger mit einem Heimspiel in die Bundesliga starten dürfen. Doch die fiese Liga schickte den VfL Bochum nach Wolfsburg und die SpVgg Greuther Fürth zum VfB Stuttgart. Vor allem für die Franken endete die erste Reise übel: 1:5 in Stuttgart. Vom VfB, dem ersten Tabellenführer der neuen Saison, überrollt. Doch Trainer Stefan Leitl steht für Pragmatismus: „Muss ja jeder wissen, dass wir nicht in die Bundesliga gehen und dort jede Mannschaft an die Wand spielen. Wichtig ist, dass wir die eine oder andere Chance nutzen, um uns einen realistischen Kampf zu erarbeiten.“ Am Sonntag war die Stimmung in Fürth auch gar nicht schlecht. Die Mannschaft wurde vorgestellt (und von den Fans gefeiert), Sportchef Rachid Azzouzi sagte: „Wir sind besser als das, was wir gezeigt haben.“
Trotz klarer Unterlegenheit vor allem in der Anfangsphase zog Bochum sich in Wolfsburg achtbar aus der Affäre. Dumm gelaufen natürlich, dass der VfL 86 Minuten in Unterzahl spielen musste, weil Robert Tesche, mit 120 Erstligaeinsätzen der erfahrenste Mann, früh vom Platz flog – für ein Handspiel auf der Linie. Den zur Roten Karte für Tesche ausgesprochenen Elfmeter (von Weghorst) konnte Torhüter Riemann abwehren. Der Platzverweis, so Bochums Trainer Thomas Reis, „hat das Spiel über den Haufen geworfen“. Was nach Rot kam, stellte den Coach zufrieden. „Wir sind in der Bundesliga angekommen.“ Das Bochumer Gefühl also besser als das Fürther.
Union Berlin
„Eisern Union“ inszeniert sich gerne als Kultverein – doch ist bei genauem Hinsehen eben nicht das St. Pauli des Ostens. Nun wurden zwei Leverkusener Spieler ausgepfiffen: Jonathan Tah und Nadiem Amiri. Tah hatte nach der letzten Begegnung gesagt, der Berliner Florian Hübner habe Amiri „Scheiß Afghane“ genannt, Hübner wurde für zwei Spiele gesperrt. Nun die Rache der Union-Fans. Präsident Dirk Zingler schritt nicht ein: „Die Jungs und Mädels, die hier stehen, pfeifen, und das ist ihr gutes Recht.“ Problematische Aussage. GÜNTER KLEIN