Die sportliche Entwicklung von Alexander Zverev ist nicht zu übersehen. Der Masters-Sieger von Cincinnati schlägt viel konstanter auf, macht weniger Doppelfehler und agiert deutlich aggressiver von der Grundlinie. Der Titel im Bundesstaat Ohio ist so nach seinem Olympia-Gold der zweite große Triumph binnen weniger Wochen und macht ihn zu einem der Top-Favoriten für die am kommenden Montag startenden US Open in New York.
Ob Novak Djokovic oder der Deutsche im Favoriten-Rennen die Nase vorn hat, sei dahingestellt. Allein, dass Zverev wie selbstverständlich in einem Atemzug mit dem 20-fachen Grand-Slam-Sieger aus Serbien genannt wird, zeigt, wie viel Respekt sich der 24-Jährige in den letzten Wochen erkämpft hat. Doch es sind nicht nur die sportlichen Statistiken, mit denen Zverev aktuell begeistert. Trifft man ihn und vergleicht das dann mit Treffen vergangener Jahre, kommt man schnell zu der Einschätzung: Hier steht einem ein gereifter Mann gegenüber. Von Schnösel-Alarm keine Spur mehr. Zverev spricht klar, vermeidet nichtssagende Floskeln – im Gegensatz zu so manchem seiner Kollegen. Die Arroganz, die ihm zu Beginn seiner Karriere besonders bei den deutschen Fans viel Gegenwind eingebracht hat, ist verflogen.
Nach (auch privat) turbulenten Jahren scheint der Olympiasieger zu sich gefunden zu haben. Der Druck durch die bittersüßen Vorschusslorbeeren scheint ihn spätestens nach dem Gold von Tokio nicht mehr zu bremsen. Er hat ein kleines Team aus Familie und engen Freunden um sich geschart, dem er vertraut und das ihm die nötige Geborgenheit bietet.
So könnte aus Alexander Zverev nicht nur ein Seriensieger – sondern auch ein Publikumsliebling werden. Noch vor wenigen Monaten eine steile Prognose. Im Spätsommer 2021 aber Realität. DANIEL MÜKSCH