Neuer Trainer – alte Probleme

von Redaktion

Auch unter Julian Nagelsmann bleiben die Bayern in der Defensive anfällig

VON MANUEL BONKE

München – Weiter geht die wilde Bayern-Fahrt: Eigentlich hatte sich Neu-Trainer Julian Nagelsmann zum Ziel gesetzt, wieder für mehr Stabilität und weniger Gegentore im Spiel des FC Bayern zu sorgen. Doch bisher kassierten die Münchner in jedem Pflichtspiel mindestens einen Gegentreffer. Beim 3:2 (0:0) gegen Köln klingelte es sogar innerhalb von 120 Sekunden zweimal im Tor von Schlussmann Manuel Neuer.

„Das Ergebnis ist gut, aber das Spiel war viel zu wild. Es war ein typisches Spiel für eine Vorbereitung, leider sind wir im Pflichtspielmodus. Es hatte Parallelen zum Gladbach-Spiel“, resümierte Nagelsmann im Anschluss an die Partie. So viel steht fest: Die Bayern-Mannschaft muss sich noch an den neuen Fußball gewöhnen. Darum geht’s unter Nagelsmann noch wild zu.

1. Experiment Dreierkette

Im zweiten Bundesligaspiel ließ Nagelsmann den deutschen Rekordmeister zum ersten Mal mit einer verkappten Dreierkette auflaufen. Wenn Bayern am Ball war, rutschte Tanguy Nianzou (18) von der Rechtsverteidiger-Position weiter nach innen. Auf der gegenüberliegenden linken Seite stand Alphonso Davies dann enorm hoch, Vordermann Serge Gnabry platzierte sich daraufhin ebenfalls zentraler neben Sturmspitze Robert Lewandowski. Problem: Bei Konterangriffen der Kölner nach Ballverlusten dauerte es zu lange, bis Bayern wieder in seine Grundformation fand und sich in der Defensive mit einer Viererkette positionierte. Nagelsmann: „Das Problem war, dass wir über die gesamte erste Halbzeit sehr viele Ballverluste im vordersten Drittel hatten und das Spiel dann unglaublich intensiv wurde.“ Darum stellten die Münchner nach der Pause auch wieder auf Viererkette um. Kurios, dass die Gegentore ausgerechnet danach fielen: „Wir kriegen innerhalb von zwei Minuten, auf eine sehr ähnlich Weise wie am ersten Spieltag von Köln, die Tore. Nach zwei Flanken mit einer herausragenden Qualität, die wir vorher verteidigen müssen. Die Flanke selbst ist dann nicht mehr so leicht zu verteidigen.“

2. Talenten fehlt Konstanz

Tanguy Nianzou gilt mit seinen 18 Jahren zwar als eines der größten Defensiv-Talente Europas, doch dem Franzosen fehlt noch die Konstanz in seinem Spiel. Phasenweise wirkte er übermotiviert, hektisch und bei gegnerischen Kontern orientierungslos. Angesichts seines großen Verletzungspechs in seiner ersten Saison in München ist das allerdings nicht weiter verwerflich, weil ihm die Spielpraxis nach wie vor fehlt. Ähnlich sieht es bei Josip Stanisic (21) aus, der seinen Part die meiste Zeit zwar souverän runterspielt, aber gefühlt immer für einen groben Schnitzer gut ist. Trotzdem schenkt Nagelsmann diesen Spielern weiter vertrauen. Einerseits wird das aus der Führungsetage von ihm erwartet, andererseits weiß der Bayern-Trainer, dass die jungen Profis in personell angespannten Phasen noch wichtig werden können.

3. Das Zentrum muss sich erst noch finden

Leon Goretzka führt seine Rolle im zentralen Mittelfeld unter Nagelsmann deutlich offensiver aus. Er agiert klar mehr auf der Acht statt auf der Doppelsechs neben Joshua Kimmich. Wenn Serge Gnabry bei Angriffen über die linke Seite dann noch nach innen zieht, wo ohnehin das Hoheitsgebiet von Thomas Müller ist, steht sich das Trio jedoch schnell auf den Füßen, weil die Räume eng sind. Nagelsmann möchte, dass seine Spieler das Feld nach vorne enger machen. Das klappt noch nicht.

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