Seit gestern machen die Basketballer des FC Bayern nun also wieder das, was sie in den kommenden Monaten meistens tun werden: Der Euroleague-Viertelfinalist ist auf Reisen gegangen. Zwölf Tage lang tourt Trainer Andrea Trinchieri mit seinen Profis durch die italienische Heimat. Schon am Freitag wartet auf Sardinien mit der Partie gegen Sassari der erste Test dieses Sommers – und dann wird es zumindest ein paar erste Fingerzeige geben, über die Qualität des neuen Kaders.
Die Einkaufstour ist, das war nicht immer so, pünktlich zum Trainingsauftakt abgeschlossen. Sie fiel dann doch ein bisschen umfangreicher aus als zumindest Trinchieri gehofft hatte. Am liebsten wolle er mit allen Spielern weiterarbeiten, hatte der kleine Italiener nach Saisonende überschwänglich erklärt. Rückkehrer Marvin Ogunsipe eingeschlossen sind es letztlich doch zehn Neue, die künftig das rote Trikot überstreifen werden.
Aber das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn die Bayern des Vorjahres waren auch ein Team der Unzufriedenen. Von Spielern, die nach der Katastrophensaison 2019/20 auf Wiedergutmachung brannten. Und von vermeintlich Gescheiterten wie Wade Baldwin oder Jalen Reynolds, die sich in München endlich beweisen wollten. Funktionierte ja auch, die Bayern schrammten hauchdünn am Euroleague-Finalturnier vorbei. Aber so seltsam es klingen mag, es lag nahe, dass der Erfolg dem Münchner Team den größten Schmierstoff genommen hat: Den Hunger, die große Sehnsucht nach Erfolg.
Auch dieser Gefahr wegen haben sich Bayerns Kaderplaner um Sportchef Daniele Baiesi zum nächsten Schnitt entschlossen. Um ein Gerüst aus Erfahrung hat man nun Spieler geschart, die bei den, nun zum Vollmitglied der Euroleague aufgestiegenen, Münchnern den nächsten Karriereschritt schaffen wollen. Natürlich birgt das auch Risiken. Spieler wie Othello Hunter, Deshaun Thomas oder auch der zuletzt verpflichtete Augustine Rubit sind allesamt schon jenseits der dreißig Jahre. Wer weiß schon, ob die Realität wirklich noch hält, was Namen und wohl klingende Vita versprechen.
Zur Not muss es eben Andrea Trinchieri richten. So wie er das in seiner Karriere ja schon oft getan hat. Auch im Vorjahr bei den Bayern, wo er, so sagte es die Legende, auf der Heimfahrt von der fürchterlichen Testspielniederlage bei Olimija Ljubljana seine ganze Spielidee überdachte. Was herauskam ist hinlänglich bekannt.
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