Ein Aufbau-Abend für Problemfall Sané

von Redaktion

München – Viel Kritik musste Leroy Sané (25) in den vergangenen Wochen und Monaten einstecken. Während der schwachen Europameisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft und zuletzt in der Bundesliga beim 3:2 gegen Köln wurde der Bayern-Star sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen. Regelmäßig stören sich Beobachter an seiner oftmals lethargisch wirkenden Körpersprache. Aber auch leistungstechnisch ist klar, dass Sané noch viel Luft nach oben hat.

Das könnte auch an seiner Position liegen. Beim 12:0 im DFB-Pokal gegen den Bremer SV passte Trainer Julian Nagelsmann (34) sein System für den Offensivspieler etwas an. Seit seinem Wechsel zum FC Bayern im vergangenen Jahr wurde Sané fast nur auf dem rechten Flügel eingesetzt. Gegen den Fünftligisten durfte er auf der linken Angriffsseite ran. Wie unter Pep Guardiola bei seinem Ex-Club Manchester City. „Da hat er ein bisschen mehr Tiefe und hat das Spiel vor sich“, erklärte Nagelsmann. „Da fühlt er sich wohler.“

Ein kluger Schachzug des neuen Bayern-Trainers. Im Weserstadion bereitete Sané zwei Tore vor, erzielte einen Treffer selbst. Nett zu beobachten: Nagelsmann wollte ihn offenbar so lange auf dem Rasen lassen, bis er in der zweiten Halbzeit sein Tor erzielte. Gleich danach pfiff er Taylor Booth (20) vom Warmmachen zur Bank und wechselte ihn für Sané ein.

Die Leistung im Spiel gegen den unterklassigen Gegner Bremer SV ist natürlich nicht überzubewerten. Dennoch war die Vorstellung des sensiblen Edeltechnikers sehr gut. Das sah auch Nagelsmann so. „Er war unglaublich engagiert, hat extrem gut verteidigt. Er hätte noch drei, vier Tore mehr machen können, glaub ich“, so der Coach. „Er wollte alles reinwerfen. Von dem her bin ich völlig zufrieden.“

Nagelsmann gilt als Bessermacher. Auch Sané soll er wieder zurück in die Spur bringen. Die aktuelle Saison wird richtungsweisend für den Flügelspieler. Die Erwartungen der Münchner an einen der Topverdiener im Kader sind hoch. Die Zahlen der abgelaufenen Spielzeit, in der er nach seinem Kreuzband-riss Zeit zur Leistungsstabilisierung bekam, lesen sich eigentlich ganz gut: zehn Tore und elf Vorlagen in 44 Spielen. Dennoch soll und muss von Sané künftig mehr kommen. Weil sein Potenzial so riesig ist.

Das betonte auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) zuletzt immer wieder auch öffentlich. Der klare Anspruch der Bosse an Sané: Er soll Unterschieds- und kein Einwechselspieler sein.

Fakt ist: Pfiffe der eigenen Fans machen Sané nicht besser, sondern ziehen ihn runter. Trainer, Bosse und Mitspieler versuchen, ihn aufzubauen. Auch ein paar Bayern-Fans in Bremen sprachen Sané Mut zu. Auf einem Plakat schrieben sie: „Kopf hoch und immer weiter, Leroy.“ Eine Geste, die der Bayern-Star mit der Rückennummer 10 zu schätzen weiß. Er bedankte sich dafür nach dem Spiel extra auf Instagram.  pk, bok

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