Stuttgart – Der Abend des 5. September 2021, kurz vor dreiviertel neun. Der deutsche Fußball drückt die Play-Taste, und endlich können die Bilder und der Sound weiterlaufen, die vor eineinhalb Jahren angehalten worden waren, als die Pandemie das Leben veränderte.
Jetzt wieder: Beschalltes Stadion, Zuschauer auf den Rängen, Transparente, Fahnen, Pappschilder, auf denen um Trikots gebettelt wird, La Ola. Das 6:0 gegen Armenien war das erste Heimländerspiel seit November 2019, damals in Frankfurt, das der DFB wieder mit Publikum austragen durfte. Noch ein Jahr länger zurück lag das 100. Spiel von Thomas Müller, für das er in Stuttgart im Nachgang geehrt wurde. Der Münchner, mittlerweile bei 106 stehend, war extra angereist.
Die 18 000 Tickets, die laut den Infektionsschutz-Regelungen ausgegeben werden durften, verteilte der DFB als Freikarten an Leute, die sich in der Pandemie verdient gemacht hatten, doch auch die Fanclub-Kernklientel wurde versorgt. Es gab zudem wieder eine Choreografie, aber diesmal keine zum Zweck des Selbstmarketings, sondern ein ehrendes Gedenken an den verstorbenen Gerd Müller. Die Spieler unten auf dem Rasen klatschten für den früheren Torjäger, die Leute auf den Rängen auch, die Ovation („Grüße nach oben“) wollte kein Ende nehmen, sodass die Partie mit zwei Minuten Verspätung angepfiffen wurde.
Der Stadionsprecher hatte explizit „Die Mannschaft“ begrüßt. Dieses Etikett, geschaffen 2015, besteht immer noch; der DFB hat es nach der missglückten WM 2018 in seiner Kommunikation nicht mehr hervorgehoben, es allerdings auch nicht gelöscht, von daher war erstaunlich, dass es nun wieder betont wurde. Ein paar Tage zuvor hatte Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff zum Thema gesagt: „Das mit ,Die Mannschaft’ gilt immer als mein Baby. aber ich hänge da nicht dran.“ Es sei jedoch „kein PR-Slogan“ und man orientiere sich an Umfragen, die man von Zeit zu Zeit in Auftrag gebe. Eine Tilgung des Labels wäre auch „eine technische Sache. Ich bin aber überzeugt, dass, wenn wir leidenschaftlichen Fußball spielen, das kein Thema ist.“
Das Spiel gegen Armenien war ohne Makel, das gegen Liechtenstein in Sankt Gallen in der Schweiz schon, doch die Atmosphäre unter den dort knapp 8000 Besuchern sehr entspannt. Zu spüren war: Trainer Hansi Flick und die Mannschaft starte(te)n mit einem Bonus.
Und Stuttgart war eine gute Wahl für das erste Heimspiel. Aus dem Kader haben Bernd Leno, Antonio Rüdiger, Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Jamal Musiala und Timo Werner eine Stuttgart-Vergangenheit, die auf amüsante Art beleuchtet wurde,
Ihre Pressetermine hielt die Nationalmannschaft im „Conference Center Waldau“ ab. Joshua Kimmich fand es „lustig, denn hier hatte ich vor acht Jahren Abi-Ball“. Timo Werner „ein Jahr nach Jo, auch hier“. Details zur damaligen Fete wollte er nicht verraten, „nicht dass meine Freundin mich grillt“.
Stuttgart bewährte sich also mal wieder als Länderspiel-Austragungsort. In die Corona-Zeit fiel das 1:1 gegen Spanien, aber da stand die Taste auf „Pause“. Letztes richtiges Event war die Partie im September 2017 gegen Norwegen. Ergebnis: 6:0.
Und genau so ging es bei „Play“ nun weiter. gük