Eine pädagogische Herausforderung

von Redaktion

Lob bei der Videositzung brachte Leroy Sané zum Laufen – Trainer dementiert Probleme

Stuttgart – „Das ist Unsinn“, sagt Hansi Flick. Es gibt da diese These, dass er und Leroy Sané in der gemeinsamen Saison beim FC Bayern „Probleme miteinander gehabt hätten“. Der Starzugang von Manchester City kam nach dem ersten Flick-Jahr und dem Triple, das zweite mit Sané verlief schmuckloser, und es gab ein Bundesligaspiel, in dem der Bayern-Trainer seinen Offensivspieler ein- und wieder auswechselte, was als Signal für die Unzufriedenheit mit ihm empfunden wurde. Flick erklärte das damals mit einer taktischen Erwägung, und es wäre auch überhaupt nicht seine Art, einen Spieler bloßzustellen.

Leroy Sané ist trotzdem eine pädagogische Herausforderung für einen Trainer, Pep Guardiola hat sie irgendwann aufgegeben. Hansi Flick teilt mit Sané nun zwar nicht mehr den Verein, ist aber in der Nationalmannschaft für ihn zuständig. Und es scheint, als sei es ihm aus dieser Rolle heraus gelungen, beim 25-Jährigen etwas zu verändern: So engagiert sah man Sané noch nie wie in den Spielen gegen Liechtenstein und vor allem Armenien. Lust am Spiel und Lust am Bälle Erobern, Nachsetzen, Zurücklaufen fanden zueinander.

Geschickt von Flick war, dass er zwischen den beiden Spielen artikulierte, was ihm an Sané gegen Liechtenstein besonders gefallen habe. Der Spieler war trotz seines anerkannt hochwertigen Tors zum 2:0 im Feuer gestanden wegen verlorener Dribblings und einer Körpersprache, aus der die Kritiker Unwilligkeit herauslasen – doch Flick ging nicht auf Mängel ein, sondern schilderte eine Nebensituation der Partie: „Wie er nach einem Ballverlust hinterhergeht.“ Flick führte besagte Szene in der Videoanalyse der gesamten Mannschaft als beispielgebend vor.

Dass Leroy Sané ein Bestandteil einer ersten Elf sein muss, steht für den Bundestrainer außer Frage. „Leroy kann sich auf engstem Raum Platz verschaffen, seine Dynamik ist für die Mannschaft wichtig.“ Wenn Sané sich so einbringe, „sind wir superhappy“.

Das war der Gefühlsstatus beim 6:0 gegen Armenien. „Ich freue mich, wenn er so agil und aktiv ist“, zeigte Flick sich angetan „von der Leichtigkeit, mit der Leroy unterwegs ist. Und so fokussiert, wie er nachgeht, ist er auf einem guten Weg. Ansätze hat man bei ihm schon in München gesehen“ – wird nun etwas Dauerhaftes daraus?

Über Sané ergoss sich bei seiner Auswechslung der Applaus des Stuttgarter Publikums, das jede seiner perfekten Ballannahmen schon goutiert hatte. „Ich sehe Leroy sehr motiviert und nach hinten arbeiten“, sagte Antonio Rüdiger, einer aus Sanés engerem Freundeskreis im Nationalteam. Diese Seite Sanés war die Neuentdeckung, die andere kannte man. „Nach vorne“, meinte Rüdiger, „hat er einfach das gewisse Etwas.“ GÜNTER KLEIN

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