Schwenningen/München – Der EHC München war am Donnerstagabend kurz mal in Amerika. Er spielte in Schwenningen, an dem Standort der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit dem Alleinstellungsmerkmal, dass er dort eine Eisfläche von den in Kanada und den USA gängigen Maßen gibt. Vier Meter weniger breit als in den anderen Stadien der Liga. „Das bedeutet: Noch mehr Action, Torschüsse aus jeder Lage“, erklärte Christof Kreutzer, der Sportdirektor der Schwenninger Wild Wings. In der Tat: Ein fröhliches Geballere war’s mit – beide Seiten zusammengerechnet – 93 Schüssen. Minimalistisch indes das Ergebnis nach Toren: 2:1 (1:0, 0:0, 1:1) für den EHC München, der seine Tabellenführung mit dem dritten Sieg im dritten Spiel verteidigte.
Im Schwarzwald musste Münchens Trainer Don Jackson seine Reihen umstellen. Neuzugang Freddy Tiffels hatte sich mit Mandelentzündung krank gemeldet, seinen Platz neben Ben Street und Trevor Parkes nahm Philip Gogulla ein, der dafür als Nebenmann von Patrick Hager und Yasin Ehliz ersetzt werden musste. Hilfreich im Personal-Domino des EHC war, dass Nationalspieler Frank Mauer gesundet und erstmals in dieser Saison am Start war.
Im Münchner Tor stand Daniel Fießinger, der vorige Saison die Nummer drei war und nun zur Nummer zwei aufgerückt ist. Stammgoalie Danny Aus den Birken bekam seine turnusgemäße Pause, Fießinger durfte sich profilieren gegen die Schwenninger, die in der Offensive einige Ausfälle hatten. „Fieße hat einige Super-Saves gemacht“, lobte Kapitän Patrick Hager. Bemerkenswert am Münchner Spiel war, dass sich die besten Szenen in den Endphasen der Drittel ereigneten. Sieben Sekunden vor der ersten Pause erzielte Verteidiger Konrad Abeltshauser das 1:0 – nach trickreichem Zuspiel von Trevor Parkes. Vorzeigebayer Abeltshauser erlebt ohnehin gerade Tage der Glückseligkeit. Diese Woche hat er per Instagram wissen lassen, dass er und Frau Erica Eltern werden, und im Training das Geschlecht des Nachwuchses verraten. Er donnerte einen präparierten Puck aufs Tor, aus der Scheibe stiegen rosa Schwaden auf. „A Madel“, sagte er.
Philip Gogulla hätte dann 13 Sekunden vor Ablauf des zweiten Drittels in Schwenningen beinahe das 2:0 erzielt. Von der Strafbank kommend, traf er den Pfosten.
Schwenningens Stürmer Daniel Pfaffengut wünschte sich „ein schmutziges Tor für uns“. Das gelang vor 2618 Zuschauern den Münchnern: Maxi Kastner arbeitete den Puck aus einem Gedrängle vor Wild-Wings-Schlussmann Joakim Eriksson über die Linie (53.). Nach mehreren Minuten, die sich die Schiedsrichter André Schrader und Sean MacFarlaine mit der Videoaufzeichnung beschäftigten, war dieses 2:0 amtlich. Schwenningen stürmte dann noch ohne Torwart – und kam in letzter Minute zum Anschlusstor. Mehr aber nicht. GÜNTER KLEIN