„2. Liga mit Fans – das wäre ein Traum“

von Redaktion

Fürstenfeldbrucks Handball-Chef Wild über das Unternehmen Wiederaufstieg

München – Noch vor zwölf Monaten standen sie vor der ersten Zweitliga-Saison seit 28 Jahren. Eine Saison ohne Zuschauer und einen Abstieg später finden sich die Handballer des TuS Fürstenfeldbruck in der 3. Liga wieder. Im Interview spricht „Panther“-Trainer Martin Wild über den Saisonstart, die Erfahrungen im Unterhaus des deutschen Handballs und seine Ambitionen, vielleicht schon bald genau dorthin zurückzukehren.

Herr Wild, drei Spiele, drei Siege zum Saisonstart. Wie zufrieden sind sie mit der bisherigen Performance Ihrer Mannschaft?

Der Start mit 6:0 Punkten ist gelungen und von daher sind wir auch zufrieden. Allerdings haben wir die Top-Mannschaften der Liga, dazu zähle ich Pfullingen, Konstanz und Oppenweiler, noch vor uns und jetzt am Samstag geht’s los mit dem absoluten Topspiel in Pfullingen.

Vor der Saison haben Sie angekündigt, nach den Abgängen der beiden Spielmacher Kolodziej und Stumpf verstärkt auf Rückraumspieler Yannick Engelmann zu setzen. Wie schlägt er sich bisher?

Meine Meinung ist, dass Yannick an den ersten drei Spieltagen der herausragende Spieler der Liga war. Das meine ich ganz ehrlich. Er ist ein sehr athletischer Spieler mit immenser Kraft. Dass er sich aber so schnell so gut in der Rolle des Spielmachers zurechtfindet, ist schon erstaunlich. Das macht er echt hervorragend.

Und der Kader in Gänze betrachtet: ebenso überzeugend?

Wir sind auf jeden Fall konkurrenzfähig, vielleicht sogar auf Augenhöhe mit den Top-Teams. Das Entscheidende diese Saison wird sein, wie wir mit unserem einfach sehr kleinen Kader zurechtkommen. Wir haben aktuell nur zehn Feldspieler und es könnte schwierig werden, im Notfall Verletzungen abzufangen.

Ist das Ziel des direkten Wiederaufstiegs also gar nicht so realistisch, wie man bei einem Absteiger auf den ersten Blick denken würde?

Na ja, unsere Situation ist etwas anders. Wir können die ersten beiden Plätze anpeilen, wenn die Saison optimal abläuft. Aber wirklich nur dann. Wir waren schon in der 2. Bundesliga die Mannschaft mit dem mit Abstand geringsten Etat und auch jetzt gibt es in der dritten Liga zahlungskräftigere Teams. Von daher weiß ich auch nicht, wie sinnvoll es wäre, jetzt den direkten Wiederaufstieg als Ziel auszurufen.

Ein Aufstieg wäre also auch wirtschaftlich unseriös?

Es geht schon voran bei uns. Wir haben Erfolge vorzuweisen, mit denen wir etwas Sponsorenakquise betreiben konnten. Aber nur in relativ kleinen Schritten. Noch sind bei uns beispielsweise alle operativen Posten nur ehrenamtlich besetzt. Das ist einfach noch nicht professionell. Bevor wir uns also um den sportlichen Aufstieg kümmern, haben wir erst mal strukturellen Nachholbedarf, glaube ich.

Wie nehmen Sie das Vereinsumfeld war? Welche Erwartungshaltung haben Ihre Fans?

Die Zweitligasaison noch mal zu erleben und diesmal mit Fans, die uns im letzten Jahr wirklich gefehlt haben, ist ein absoluter Traum, in beide Richtungen. Insgesamt wird es von den Fans sehr realistisch eingeschätzt, dass ein direkter Wiederaufstieg nur schwer zu realisieren ist. Und auch die Mannschaft und ich sehen andere Vereine in der Favoritenrolle in einer Liga, aus deren verschiedenen Staffeln von 82 Teams am Ende nur zwei aufsteigen. Also: Der Aufstieg ist für uns eher ein mittelfristiges Ziel, aber träumen darf natürlich jeder.

Interview: Jacob Alschner

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