München – Na gut, ein bisschen Stolz muss sein. Und so denkt auch Marco Baldi in diesen Tagen ganz gerne noch einmal an den vergangenen Juni zurück. Die Bayern niedergerungen zu haben, in einer echten Finalserie. Der Titel, gefeiert zumindest mit einer kleinen Fangemeinde. Natürlich tat das auch dem Manager-Urgestein von Alba Berlin gut.
Und gerade der hatte ja auch lange darauf hingearbeitet. Das Alba-Prinzip, mit intensiver Basisarbeit tief in die Poren der Millionen-Metropole Berlin einzudringen – es ist auch ein Baldi-Prinzip. Das aber lange vieles schien, nur nicht wirklich titeltauglich. Man bot guten Sport, das ja, doch die Meisterschaft fochten andere aus. Bamberg, die Bayern. „Wir haben viel Kritik bekommen, und natürlich haben wir auch gezweifelt“, sagt Baldi. Aber sie haben an ihrer Idee vom Basketball mit Berliner Seele festgehalten. Es hat sich gelohnt. 2020 das Double, 2021 die Meisterschaft, auf dem besten Weg zum Vollmitglied in der Euroleague – die Corona-Jahre waren Alba-Jahre.
Und nun, da der Titelkampf in eine neue Runde geht, sehen viele Berlin mehr als nur auf Augenhöhe zu den reichen Bayern. Doch Baldi ist da vorsichtig. „Wir wissen schon, wo wir stehen“, sagt er, „das geht nicht einfach so weiter.“ Nicht dass sich so furchtbar viel verändert hätte, seit dem Meistercoup. Doch was sich verändert hat, ist schmerzhaft. Mit Final-MVP Jayson Granger, Simone Fontecchio (bd. Baskonia) und Kapitän Niels Giffey (Kaunas) gingen Eckpfeiler des Erfolges von Bord. Noch ungleich schwerer wiegt der Wechsel auf der Bank. Aito Garcia Reneses, der sportliche Mastermind des Alba-Aufschwungs aus Spanien, zog sich in ein Sabbat-Jahr zurück. Baldi schockt das nicht. „weil wir ja immer wussten, dass wir keinen jugendlichen Trainer verpflichtet haben“. Und weil sie sich auf diesen Moment vorbereitet fühlten. Über vier Jahre lang führten die Albatrosse Israel Gonzalez an den großen Moment heran. Im Vorjahr war er dem großen Landsmann als eine Art Co-Head-Coach schon gleichgestellt. Und nun ist der 46-Jährige also Chef.
Die großen Fußstapfen, in die er tritt, will man ihm ganz gerne ersparen. „Er soll nicht der junge Aito sein“, sagte Marco Baldi, „er soll seinen eigenen Weg finden.“ Das mag seine Zeit dauern, zumal mit einem Team, das an Erfahrung verloren hat. Und auch weil das Verletzungspech die Mannschaft in der Vorbereitung schwer getroffen hat. Alle drei Center knickten um und werden zunächst fehlen. Die Alba-Führung weiß das, „man braucht nicht zu glauben, dass wir von Anfang an alles rocken werden“, betont der Manager, „wir müssen uns über die Saison entwickeln.“ Wie zum Beweis setzte es zum Auftakt gestern gleich mal eine 86:88-Heimpleite gegen Bonn.
Bis hin zum Frühjahr, bis hin zu den Playoffs, in denen man schon ganz ger¾ne wieder titeltauglich wäre. Auch wenn man weiß, dass man in den Bayern einen mächtigen Herausforderer hat. Die Münchner haben ihren Kader runderneuert, vor allem auch im Bereich der deutschen Spieler – für viele der Bereich, der in der Vorsaison den Ausschlag für Alba gab.
„Was sich da getan hat, das ist schon beeindruckend“, sagt Baldi. Er sagt es ohne Neid, aber er sagt es eben auch, um dem Rivalen ein Päckchen auf die Schultern zu legen. Die Bayern werden, da sei er sich sicher, in dieser Saison ein weiteres Stück Geschichte schreiben. Nach der Qualifikation für die Euroleague-Playoffs in der Vorsaison werde in diesem Jahr der Schritt ins Finalturnier gelingen. Das findet, wie passend, ausgerechnet in der Berliner Arena statt.
Wenn man denn durch den Spielemarathon halbwegs gut durchkommt. 90 Spiele hatten die Münchner in der Vorsaison angehäuft, Alba nur unwesentlich weniger. „Das ist unlösbar, da muss sich etwas ändern“, betont Baldi, „da müssen sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Bis jetzt sehe ich das allerdings nicht.“