München – Die Welt des großen Fußballs betrat Antonio di Salvo im Januar 2000. Der FC Bayern hatte ihn verpflichtet, ein typischer Schau-ma-mal-Transfer ohne großes Risiko. Er war 20 und hatte beim SC Paderborn in der Regionalliga eine gute Hinrunde gespielt. Er war ehrgeizig, aber stellte keine Ansprüche, er war eine günstige Ergänzung.
Di Salvo rückte direkt ins Profi-Trainingslager im südspanischen La Manga ein. Die etablierten Spieler waren nett zu ihm: Toni hier, Toni da. Doch sie testeten auch aus, ob er zur Konkurrenz werden könnte. Sie spielten ihm die Bälle so zu, dass sie nicht leicht zu verarbeiten waren. „Kann er nicht“, schmetterte Lothar Matthäus nach einer Situation, die di Salvos Mängel offengelegt hatten, über den Platz.
Antonio di Salvo hat dann nicht unerwartet vor allem für die Amateure des FC Bayern spielen müssen, er kam zu nur sechs Einsätzen in der Bundesliga und zu einem in der Champions League. Und auch seine spätere Zeit bei 1860 in der 2. Liga (2006 bis 09) war kein glückserfülltes München-Kapitel. Die Löwen wollten ihn loswerden, di Salvo blieb stur und musste schließlich allein trainieren. Alles Erfahrungen, die hilfreich sein können, wenn das Leben nach der Spielerzeit auf der anderen Seite stattfindet: Di Salvo wurde Trainer. Und steigt nun wieder auf in den höheren Fußball: Der DFB ernannte ihn am Donnerstag zum Cheftrainer der U 21-Nationalmannschaft. Mit der kann man – siehe den gerade in die Türkei abgewanderten Stefan Kuntz – berühmt werden. Bemerkenswert ist auch: Er bekommt als Assistenten Hermann Gerland zur Seite gestellt – eine Konstellation, die schon diverse Koryphäen (Heynckes, Guardiola, Flick) erleben durften.
Di Salvo, heute 42, ist das Beispiel, dass man zielstrebig an einer Trainerkarriere arbeiten kann, auch wenn man nicht der Topspieler gewesen ist. Der Mittelstürmer di Salvo erlebte zwischen seinen Engagements bei Bayern und 1860 eine sportlich akzeptable Zeit bei Hansa Rostock, doch weil ihn Verletzungen quälten, machte er sich frühzeitig darüber Gedanken, was der Fußball noch bieten könnte. So machte er seine Trainerscheine, stieg 2011 im Nachwuchs des FC Bayern ein, wechselte 2013 zum DFB, war an drei Titelgewinnen (zweimal U 21 mit Stefan Kuntz, U 19 mit Marcus Sorg) als Assistenztrainer beteiligt. Seit 2018 ist er auch Fußball-Lehrer und dürfte jede Mannschaft trainieren.
„Wir wollen Kontinuität in unseren Trainerstäben und unsere eigenen Leute stetig weiterentwickeln“, erklärte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff die Berufung di Salvos, der viele interne Fürsprecher hatte: den neuen Bundestrainer Hansi Flick, Bierhoffs engste Zuarbeiter Joti Chatzialexiou und Meikel Schönweitz.
Mit di Salvos Verpflichtung ist auch die Eingliederung von Hermann Gerland in den DFB-Apparat abgeschlossen. Hansi Flicks Scout kann nun auch wieder auf dem Platz stehen und ganz Hermann Gerland und ewiger Assistent sein.