München – Ein Blick in die Geschichtsbücher der SpVgg Greuther Fürth: Die Franken durften sich bereits dreimal Deutscher Meister nennen. Ihre Titel gewannen sie 1914, 1926 und 1929 – damals noch als SpVgg Fürth. Als 1963 die heutige Bundesliga gegründet wurde, konnte sich Fürth nicht qualifizieren. Der FC Bayern teilte dieses Schicksal – mit einem gewaltigen Unterschied: Nachdem die Münchner 1965 erstmals in der neuen Bundesliga an den Start gehen konnten, war das der Beginn einer unaufhaltsamen Erfolgsgeschichte. Fürth erstarkte erst durch die Fusion mit dem TSV Vestenbergsgreuth (der die Bayern 1994 aus dem DFB-Pokal geworfen hatte).
Im Jahr 2021 sind die Bayern das Maß aller Dinge im deutschen Fußball und gastieren heute Abend (20.30 Uhr, DAZN) beim krassen Außenseiter aus Fürth. Zwar trennen beide Vereine nur knapp 200 Kilometer Busfahrt voneinander, doch sportlich liegen Welten zwischen ihnen.
Der Profi-Kader des deutschen Rekordmeisters hat laut transfermarkt.de einen Marktwert von 852,90 Millionen Euro und damit mehr als das Zwanzigfache der Fürther Mannschaft (39,23 Millionen). Dementsprechend gibt es auch bei den Spieler-Gehältern einen gewaltigen Unterschied: Münchner Top-Verdiener wie Robert Lewandowski, Manuel Neuer, Thomas Müller, Joshua Kimmich oder Leon Goretzka bekommen pro Jahr alleine mehr als die komplette Kleeblatt-Truppe, bei der sich alle Gehälter auf 17,5 Millionen summieren.
Erwartet die Bayern trotzdem ein Zwergenaufstand im Sportpark Ronhof? „Dass wir der Favorit sind, ist klar. Dass wir das Spiel gewinnen wollen, ist auch klar. Dass wir jetzt endlich an der Tabellenspitze stehen und dort bleiben wollen, ist auch klar. Trotzdem: Wir stellen uns darauf ein, dass es vielleicht ein ähnliches Spiel werden kann wie gegen Bochum. Damit meine ich nicht das Ergebnis, sondern die Art und Weise“, sagt Julian Nagelsmann.
Auf die leichte Schulter nimmt der Bayern-Coach den Kontrahenten nicht. Bei der Gegner-Analyse des Landsbergers wird deutlich: Er weiß, mit wem er es zu tun kriegt. „Sie haben mit Branimir Hrgota einen sehr schlauen Spieler vorne. Sie haben mit Jeremy Dudziak und Paul Seguin Sechser, die dem Spiel Stabilität geben. Und sie haben mit Sebastian Griesbeck einen Sechser dazubekommen, der unglaublich aggressiv ist“, so Nagelsmann.
Sein Fazit: „Wir müssen uns schon auf einen Kampf einstellen mit einem Gegner, der versucht, uns zuzustellen und in Phasen auch tief verteidigt. Dann brauchen wir Lösungen.“ Was die Nagelsmann-Bayern nicht machen werden: die SpVgg unterschätzen. Bei einer entsprechenden Nachfrage konnte sich Nagelsmann ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich liebe diese Fragen, wirklich. Wenn man hinfährt und gewinnt, sagen alle: Das ist normal. Wenn du verlierst, heißt es: Du hast den Gegner unterschätzt.“ Darum hat Nagelsmann folgende Überschrift für seinen taktischen Plan gewählt: „Unser Ziel ist entscheidend, Teil zwei.“ Beim 7:0-Sieg gegen Bochum lautete sie: „Unser Ziel ist entscheidend.“