Wiedersehen mit dem kleinen Eder

von Redaktion

Nicht alle Red-Bull-Talente schaffen es beim EHC – München-Filiale DEG

VON GÜNTER KLEIN

München – Tobias Eder war schon Deutscher Meister in der DEL, bevor er sein erstes Spiel in der Profiliga absolvierte. 2016 ging der Titel an den EHC München, und „der kleine Eder“, 18 damals, trug sich mit der Mannschaft um all ihre Haudegen und seinen zwei Jahre älteren Bruder Andi bei Oberbürgermeister Dieter Reiter ins Goldene Buch der Stadt München ein. Tobias Eder gehörte offiziell zum Kader des EHC – auch wenn er 2015/16 seine Spiele für andere Clubs machte: für die Tölzer Löwen in der Oberliga, für den SC Riessersee in der DEL2, außerdem für die Tölzer U 19 und die Juniors der Salzburger Red-Bull-Akademie.

Die Eder-Brüder aus Tegernsee waren das erste große Nachwuchs-Projekt des EHC München. Zwei Burschen aus der Region, die zu Gesichtern der Mannschaft werden sollten. Dieses Vorhaben konnte der EHC nicht verwirklichen: Die Eders sind weg. Andi (25) sah in München vor zwei Jahren keine Perspektive mehr, er wechselte nach Nürnberg und weiter nach Straubing, wurde Nationalspieler und bestritt 2021 seine erste WM. Und was aus Tobi geworden ist, das kann das Münchner Publikum an diesem Freitag (19.30 Uhr) sehen. Der zweite Eder (23) gastiert mit der Düsseldorfer EG am Oberwiesenfeld. Aktuell ist er mit drei Toren und zwei Vorlagen Topscorer der DEG.

Tobi Eder hatte in München die Geduld verloren. 2016/17 und 17/18 wurde er in die zweite österreichische Liga geschickt, erst 2018/19 bekam er eine Chance beim EHC. 27 Spiele, zehn Scorerpunkte, ganz gut. Doch er wollte zu einem Club, der ihm eine bedeutsamere Rolle garantieren würde. Die Düsseldorfer EG strebte unter Trainer Harold Kreis eine Verjüngung an. In seiner ersten DEG-Saison blieb Tobi Eder torlos, in der wegen Corona verkürzten zweiten lieferte er schon neun Treffer. Jetzt punktet er noch nachhaltiger.

Das Nachwuchssystem von Red Bull kassiert die Talente mit 14 bis 16 Jahren ablösefrei in deren Heimatclubs ein, bringt sie später allerdings auch ablösefrei auf den allen Vereinen zugänglichen Markt. Nicht jeder übersteht eben den Konkurrenzkampf der Begabten um die Plätze im EHC-Kader.

Düsseldorf profitiert von Lieferungen aus Liefering, wo die von München mitbetriebene Akademie sitzt. Luca Zitterbart (23) verteidigt nun erfolgreich (schon drei Assists) für die DEG, Niklas Postel (23) durchlief fünf Ausbildungsjahre bei Red Bull, zu mehr als acht Einsätzen in der Münchner DEL-Mannschaft reichte es für den gebürtigen Peitinger nicht. Mit Jakob Mayenschein, derzeit noch verletzt, ist ein weiterer Ex-Münchner in Düsseldorf gelandet. Der 24-Jährige erzielte 2018 sein letztes Tor – als Stürmer. Düsseldorf bekam einen Spieler, der das Tor wiederentdecken muss, obwohl er zweimaliger Deutscher Meister (2017, 2018) ist.

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