SC Freiburg
Punktspiel-Premiere für den SC Freiburg im Europapark-Stadion. 20 000 durften nach den Infektionsschutz-Verordnungen rein in die für 35 000 Zuschauer geplante Arena – und es war laut, die Stimmung eigentlich gut. Bis sie kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit absank. Der Anlass: Im Oberrang musste ein Zuschauer medizinisch behandelt und „unter Reanimationsbedingungen ins Krankenhaus“ eingeliefert werden, wie der Verein es ausdrückte. Eine solche Eröffnung will wirklich niemand.
Der Wechsel vom 67 Jahre lange bespielten Dreisamstadion mit seinem Platz, der ein Gefälle von einem Meter aufweist, in einen modernen Bau, der den VIPs mehr bieten kann als ein Zelt vor der Tribüne, ist für einen Verein mit Kult-Image wie Freiburg nicht ohne Glaubwürdigkeitsverlust zu bewerkstelligen. Denn der Umzug soll die Einnahmenseite stärken. Die Videotafeln mit der Mannschaftsaufstellung zeigten am Samstag in großer Leuchtschrift, was der SC mittlerweile für einen edlen Kader unterhält. Der Blick auf Reservisten wie Petersen, Sallai, Demirovic, Haberer und Heintz offenbart, dass es sich bei den Freiburgern um keine kleine Bundesliga-Mannschaft mehr handelt.
Das bestätigte sie auch im Eröffnungsspiel des neuen Stadions gegen Leipzig. Das 1:1 schmeichelte dem Gegner, „es wäre mehr für uns drin gewesen“, meinte Freiburgs Kapitän Christian Günter, dessen Flanken an neuer Spielstätte genauso präzise sind wie an der vormaligen. Der SC hatte Pech mit den Schiedsrichter-Entscheidungen, Christian Streich regte sich mächtig auf – seine Art hat er also in die neue Umgebung transportiert. „Wir müssen schauen, dass wir das Stadion mit Leben füllen und mit der Zeit hier zu Hause fühlen, sagte er. „Ich hoffe, dass der Verein beibehält, was ihn stark macht.“
Zumindest bemüht er sich, mit dem Neubau kommerziell nicht zu übertouren. Ein Drittel sind Stehplätze – und es gibt mehr Fahrradständer als Parkplätze.
Eintracht Frankfurt
Durch die Länderspielpause gerieten die Ergebnisse des Bundesligaspieltags davor fast schon in Vergessenheit. Die Frankfurter Eintracht hatte für die Sensation gesorgt, ehe die Nationalmannschaft in den Blickpunkt rückte. 2:1 gewann sie in München. Und was passierte nun? Die wackeren Hessen ereilte der Bayern-Besieger-Fluch. Für einen Erfolg über den Branchenprimus bezahlt man: Frankfurt mit einer 1:2-Heimniederlage gegen Abstiegskandidat Hertha BSC.
Was folgte: eine explosive Pressekonferenz mit Trainer Oliver Glasner. Der Österreicher hatte schon in den ersten Saisonwochen gemurrt, weil Spieler (Kostic, Younes) wegwollten und sich seiner Meinung nach befeuert fühlten von diversen Abgängen (Trainer Hütter, Sportchef Bobic). „Vielleicht kippe ich mir heute einen hinter die Binde“, legte Glasner los. Er kritisierte, dass die Mannschaft nur warte, dass aus den Flanken von Filip Kostic „schon was entstehen“ würde, und dass agilster Spieler Rafael Borré war „obwohl er erst am Vorabend um 19.30 Uhr aus Südamerika zurückgekommen ist“. Glasner kritisierte jedoch auch sich selbst („Von mir zu wenig“). Irgendwie passt es noch nicht zwischen der Eintracht und Glasner, der in Wolfsburg erfolgreich gearbeitet hatte, aber partout nicht bleiben wollte.
VfL Wolfsburg
VfL-Trainer Mark van Bommel schaut schon so grimmig drein, wie man es von ihm erwartet: „Es geht immer hin und her“, sagte er, als er nach sechs Pflichtspielen ohne Sieg mit dem Begriff „Krise“ konfrontiert wurde. Er meint zum 0:2 bei Union Berlin: „Wir wurden nicht aus dem Stadion geschossen.“ Bemerkenswert: Er setzte seinen niederländischen Landsmann Wout Weghorst zunächst auf die Bank. So beginnen Konflikte. GÜNTER KLEIN