München – Zugegeben: Rekorde sind beim FC Bayern in gewisser Weise täglich Brot. Die Marke, die die Münchner beim 5:1 bei Bayer Leverkusen eingestellt haben, dürfte den 17 „konkurrierenden“ Mannschaften in Deutschlands höchster Spielklasse aber das allerletzte Fünkchen Resthoffnung rauben, das sie nach neun rot-weißen Meisterschaften in Folge auf einen ebenbürtigen Titelkampf hatte.
Diesmal geht es um erzielte Treffer, von denen der Rekordmeister nach acht Spieltagen bereits 29 an der Zahl aufweist. Damit hat der FC Bayern die (eigene) Bundesliga-Bestmarke aus der Saison 76/77 eingestellt. Der Unterschied: Damals wies der FCB 18 Gegentore auf, heute sind es acht. Die Baller-Bayern machen der Liga Angst.
Vor allem, wenn man sich den Toreschnitt pro Partie zu Gemüte führt. Auf knapp vier Treffer (3,6) pro Spiel kommen Robert Lewandowski & Co. bislang, eine Quote, die auch in Europa ihresgleichen sucht. Die Mannschaft in den fünf großen Ligen des Kontinents, die die zweitmeisten Treffer erzielt hat, ist Inter Mailand (23 nach acht Spielen).
Kein Wunder also, dass auch die Geschädigten, in diesem Fall die Leverkusener von Cheftrainer Gerardo Seoane, einigermaßen geschockt waren nach der x-ten Münchner Machtdemonstration. „Die erste Halbzeit war brutal“, meinte Seoane. Sein Torwart und Kapitän Lukas Hradecky erklärte: „Das will ich nie wieder erleben. Ich hoffe, dass das ein Ausrutscher bleibt.“
Es klingt nach Resignation. Wie so oft. Dass Bayern-Niederlagen wie jene gegen die Frankfurter Eintracht (1:2) vor der Länderspielpause gefühlt seltener eintreten als eine Sonnenfinsternis, sollte und gibt der Liga zu denken. Den Bayern naturgemäß nicht. An der Säbener Straße wähnt man sich berechtigterweise unter Trainer Julian Nagelsmann auf dem richtigen Weg, der die Über-Bayern von Hansi Flick anscheinend noch überirdischer macht.
Unter dem neuen Trainer gibt es noch mehr Spieler im letzten Drittel, noch mehr Abschlüsse, noch mehr Tore. Nagelsmann befand nach Schlusspfiff in der BayArena: „Wir hatten unfassbar viele Abschlusssituationen, auch nach der Pause noch reichlich Chancen. Es war so nicht einkalkuliert, weil der Gegner vorher eine so herausragende Saison gespielt hatte.“ Zudem merkte der Bayern-Coach an: „Die Bedeutung des Spiels war allen bewusst. Deswegen jubelt man auch ausführlich.“
Schließlich aber ebenfalls vor den Bayern einknickte. Und dass es für die Bayern gegen Frankfurt die erste Saisonniederlage setzte, war ob mangelnder Chancenverwertung auch gewissermaßen unter der Kategorie Selbstverschulden einzuordnen. Sah auch Nagelsmann so, der die Pleite folgerichtig als „vermeidbar“ bezeichnete.
Und nun? Stehen für die torhungrigen Bayern sechs Partien in 17 Tagen ab. Ein Mammutprogramm, das mit Blick auf die Ersatzbank des Rekordmeisters aber auch ohne Weiteres zu stemmen sein dürfte. Nicht umsonst sprach Nagelsmann in Leverkusen von „guten Jokern“ wie Jamal Musiala, Kingsley Coman & Co.
Behalten sie alle in Torerhythmus bei, kämen die Bayern nach 34 Spieltagen auf unglaubliche 123 Treffer. Auch das wäre – natürlich – Rekord.