München – An der Seitenlinie auf und ab marschieren kann der an Corona erkrankte Julian Nagelsmann auch an diesem Samstag bei der Bundesliga-Partie seiner Bayern gegen die TSG 1899 Hoffenheim nicht. Woran ihn das Virus dagegen nicht hinderte, war die traditionelle Presserunde am Vortag. Putzmunter und offenbar gut gelaunt meldete sich der Cheftrainer der Münchner am Freitag per Videoschalte aus der häuslichen Isolation, um mit den Pressevertretern über das Spiel gegen die TSG und – natürlich – auch über seinen Krankheitsverlauf zu sprechen. Letzterer scheint ein milder zu sein, wie Nagelsmann im zugeknöpften, blau-weiß gestreiften Hemd auf dem Bildschirm bestätigte. „Ich bin schon wieder relativ fidel“, so der 34-Jährige. Er habe sogar wieder „Parfum drauf“.
Zur Erinnerung: Die Dienstreise zum Champions-League-Auswärtsspiel in Lissabon war für den Coach der Bayern zum Höllentrip geworden. Am Spieltag das positive Antigentest-Resultat, Donnerstagmorgen die Bestätigung via PCR und abends der gesonderte Rückflug in die Landeshauptstadt via Ambulanzflieger.
Wie und wo sich Nagelsmann angesteckt hat? Darüber kann auch der Trainer nur rätseln. „Ich kann es mir auch nicht zu 100 Prozent erklären. Ich war auch etwas erschrocken. Ich dachte, ich hätte einen grippalen Infekt“, gab er zu, versicherte aber gleichwohl mit einem Grinsen, „bei keiner Party mit 22 Infizierten“ gewesen zu sein.
Die Frage ist nur: Hat Nagelsmann irgendwen angesteckt? Laut „Bild“-Zeitung sollen sich in den Reihen des Rekordmeisters bis zu fünf Spieler befinden, die noch nicht geimpft sind. Normalerweise gelten diese bei einem positiven Fall als enge Kontaktperson und müssten laut bayerischem Gesundheitsministerium für zehn Tage in Quarantäne, von der sie sich frühestens nach fünf Tagen freitesten könnten (siehe Kasten unten). In diesem Zusammenhang verwies der FC Bayern auf eine am Freitag durchgeführte Testreihe, Nagelsmann unterstrich zudem, dass er aufgrund einer Erkältung, die er vor dem Positivtest mehrere Tage mit sich herumgeschleppt hatte, ohnehin engen Kontakt zu seinen Spielern vermieden habe.
Heißt: Gegen Hoffenheim sind bis auf die angeschlagenen Alphonso Davies, Leon Goretzka und Sven Ulreich also scheinbar alle mit von der Partie. Eine Partie, die sich Nagelsmann übrigens in seiner Küche zu Gemüte führen wird. „Ich habe mir in der Isolation ein kleines Analysezentrum gebaut“, erklärte der grinsende Technikfetischist. „Es sieht aus wie in einem Rechenzentrum – in der Küche wohlgemerkt, damit ich einen kurzen Weg zum Tee habe.“ Vorhanden sind sowohl TV-Bildschirm als auch Laptop und Tablet, gestern nahm er zudem eine Ansprache auf, die dem Team am Samstag in der Kabine vorgespielt wird. Wann er wieder an der Seitenlinie stehen kann, hänge von „Symptomen und Testungen“ ab. Vorerst bleibt Nagelsmann also der Quarantrainer.