München – Es waren Tage fast wie im Rausch. Silber, Silber, Silber und Bronze, ein Medaillen-Coup jagte den nächsten. Doch diese so erfolgreiche WM im Februar in Cortina d’Ampezzo ist für Deutschlands Ski-Asse beim Saisonstart am Wochenenende in Sölden nur noch Schnee von gestern. Ähnlich große Sprünge sind auf dem Rettenbachferner auf knapp 3000 m nicht zu erwarten, denn der DSV startet mit einer Rumpftruppe (zwei Frauen, drei Männer). Favoriten sind andere, unter anderem die beiden Gesamtweltcup-Titelverteidiger Petra Vlhova und Alexis Pinturault. Wir machen den Ski-Check vor dem Gletscher-Rennen, zu dem bis zu 16 000 Fans erwartet werden.
Deutsche Chancen: Für Andrea Filser (28), Marlene Schmotz (27) und Julian Rauchfuß (27) geht es darum, sich für den zweiten Lauf zu qualifizieren. Auch Stefan Luitz (29, Skimarken-Wechsel) und Alexander Schmid (27, Knieprobleme) garantieren keinen guten Auftakt. Wolfgang Maier sieht es (noch) nicht so kritisch. „Probleme gibt’s keine“, behauptete der Alpinchef vor den Riesenslalom-Rennen der Frauen (Sa., 10.00/13.15 Uhr) und Männer (So., 10.00/13.30 Uhr, ARD und Eurosport) mit einem Schmunzeln. Spitzenresultate erhofft sich Maier vor allem von den „Technik-Jungs“, zu denen er auch den Münchner Linus Straßer (28, Slalom) zählt. Bei Speed-Topstar Thomas Dreßen (27) geht es nach einer Operation darum, „dass das Knie überhaupt wieder wird“ (Maier). Und bei den Frauen? „Da haben wir derzeit halt nur die Kira“, sagt Maier über Kira Weidle, Sensations-Zweite bei der WM-Abfahrt. Auch sie fährt erst im Dezember. Der Riesenslalom, sagt Cheftrainer Jürgen Graller, „ist nach wie vor unsere Achillesferse“.
Favoriten: Die Slowakin Vlhova (26) und der Franzose Pinturault (30) sind wieder heiße Kandidaten auf die große Kristallkugel. Vlhova (Mauro Pini folgte auf Livio Magoni als Trainer) hat in Lara Gut-Behrami (30, Schweiz) und Mikaela Shiffrin (26, USA) harte Konkurrentinnen. „Die Trainings waren bestens, gleichzeitig konnte ich die Batterien zu Hause aufladen“, sagt Gut-Behrami, die zum 13. Mal in Sölden startet und dort zweimal gewann (2013, 2016). Auch ihr Landsmann Marco Odermatt (24) ist kein Geheimtipp mehr. Im letzten Winter belegte er in neun von zehn Riesenslaloms immer einen Top-5-Platz.
Neues Traumpaar: Auch Shiffrin dürfte nach einer durchwachsenen Saison, beeinflusst durch den tragischen Tod ihres Vaters, wieder schnelle(re) Schwünge fahren. Unterstützung hat sie in ihrem neuen Partner gefunden – dem Norweger Aleksander Aamodt Kilde (29). Der Gesamtweltcupsieger von 2010 gibt nach einem Kreuzbandriss sein Comeback. Rückkehrer: Sofia Goggia (28) feiert nach ihrer schweren Verletzung ebenso ihre Rückkehr wie Shootingstar Lucas Braathen (21). Der Norweger brennt nach einem Kreuzbandriss auf seinen Start, die Italienerin hat sich von der Fraktur des seitlichen Schienbeinkopfes im rechten Knie erholt und will im Februar in Peking ihren Abfahrts-Olympiatitel verteidigen.
Kombi-Event: Bei Olympia werden in der Kombi noch einmal Medaillen vergeben. Eine Kombination im Weltcup ist nicht vorgesehen.
Rekord-Preisgeld: In Kitzbühel wird diesmal die Rekord-Gesamtsumme von einer Million Euro ausgeschüttet. Die Sieger (Abfahrt wie Slalom) erhalten je 100 000 Euro.