Petra Vlhova und Alexis Pinturault – sie waren die Gesamtweltcupsieger im vergangenen Ski-Winter. Hätte das noch jemand gewusst? Oder noch in Erinnerung, dass es im Coronajahr auch eine Weltmeisterschaft gab. Am heiligen Ski-Ort Cortina d’ Ampezzo mit seiner wunderschönen Dolomiten-Felsen-Szenerie. Sogar Doppel-Champions gab es mit Vincent Kriechmayr, Lara Gut-Behrami und Katharina Liensberger. Doch diese vergangene Saison – sie ist komplett ausgelöscht. Als hätte es sie nicht gegeben. Zumindest ist das bei uns Deutschen so. Und das liegt nicht nur daran, dass Felix Neureuther und Victoria Rebensburg nicht mehr fahren; dafür haben Andreas Sander und Linus Straßer, Kira Weidle und Lena Dürr ihr Stockerl-Potenzial bewiesen.
Dass uns das alpine Programm 2020/21 nicht so gefesselt hat, lag daran, dass die Skirennen sich anders anfühlten. Es war ein Irrglaube, dass ein geordneter technischer Ablauf das Fernsehpublikum zufriedenstellen würde. Zuschauer vor Ort? In der Regel nicht an der Strecke stehend, da sind Ab- und Torfahrer üblicherweise mit sich allein. Und unten im Zielraum – tat man so, als wäre es wie immer. Kam eine Schweizerin angewedelt, ertönte aus den Lautsprechern „Swiss Lady“, raste der Amerikaner dem Finish-Bogen entgegen, wurde „Born in the USA“ eingespielt.
Doch dem Skifahren fehlte die Zuschauerschaft nicht weniger als den Teamsportarten, die unter ihrem Geisterspiel-Ambiente litten. Zum Skizirkus gehören ausgelassene Menschen, die Kuhglocken mitbringen und Ultrafans der Zweite-Startergruppe-Fahrerin aus ihrem Landkreis sind; Arnold Schwarzenegger in Kitzbühel; die Bengalos beim Nachtslalom in Schladming, die im Fußball verpönt, am verschneiten Hang aber willkommenes Accessoire sind.
Und was das Spitzenskifahren für seine Wahrnehmung benötigt: das Breitenskifahren. Weil auch der spätgestartete Pflugbogenfahrer gerne einen Rennschwung beurteilt. Vorigen Winter jedoch: in Bayern alle Lifte geschlossen (geöffnet nur, zum Ende hin, Winterberg in NRW – Schande!), nur Tourenskigänger und missmutige Schneeschuh-Hatscher am Berg. Selbst Österreich hatte nur Notbetrieb. Schifoan war kein Thema und nicht leiwand.
Dieses Wochenende beginnt auf dem Gletscher von Sölden die Weltcup-Saison 21/22. Es darf hochgefahren und zugeschaut werden. Eine Erlösung.
Guenter.Klein@ovb.net