München – Am Tag danach dürften die Spuren des Dramas vor allem bei Vladimir Lucic noch deutlich zu spüren gewesen sein. 33 Minuten hatte der Serbe gleich im ersten Auftritt nach einem Monat Corona-Pause schuften müssen. „Ich habe noch gewisse Probleme mit der Lunge“, sagte Lucic, „aber ich will der Mannschaft helfen.“
Wie nötig das ist, wurde gerade einmal mehr deutlich. Ohne Lucic hatten die Bayern in der Euroleague drei enge Partien am Ende abgegeben – mit ihm brachten sie dieses wichtige 75:73 ins Ziel. Auch dank der 17 Punkte, mit denen sich Vladimir Lucic auch gleich zum wertvollsten Spieler des Spiels aufschwang.
So gesehen kam es also anders, als selbst sein Trainer Andrea Trinchieri gemutmaßt hatte. „Wenn ein Spieler zurückkommt“, sagte der Italiener, „dann muss der Zug anhalten, damit er zusteigen kann.“ Im Falle des Co-Kapitäns dauerte die Haltephase allerdings gerade einmal eine Halbzeit. Dann fanden die Bayern mit und auch wegen Lucic ihren Weg, ein Spiel mit 16 Punkten Rückstand aus dem Feuer zu reißen.
Ein Erlebnis, das Wirkung haben könnte, wie auch Teamkollege Corey Walden meinte. „Diese Niederlagen lagen schon auf unseren Schultern“, sagte er. Weshalb man nun nachlegen will. Am Sonntag (15 Uhr) in Frankfurt. Aber auch am Dienstag beim Wiedersehen mit Playoff-Gegner Mailand.
Während die Bayern sich in der Euroleague auf dem Weg in Richtung Erfolgsspur wähnen, deutet sich andernorts freilich ein echtes Basketball-Erdbeben an. Medienberichten zufolge traten die Profiliga NBA und der Weltverband FIBA in Verhandlungen über einen Europa-Ableger der nordamerikanischen Eliteklasse ein. Der FC Bayern äußerte sich zum Thema zunächst nicht. Die gerade erst zum Vollmitglied aufgestiegenen Münchner werden der Königsklasse aber kaum so schnell wieder untreu werden. Doch insgesamt sieben Clubs aus dem elitären Kreis der 13 Vollmitglieder sollen einem Seitenwechsel durchaus nicht abgeneigt sein.
Das Problem: Sie alle besitzen Verträge mit der Euroleague und Vermarkter IMG, die bei Nicht-Erfüllen Strafzahlungen in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro vorsehen. Die Euroleague hat Verhandlungen dementiert. PATRICK REICHELT