Sölden – Die Ansprüche sind hoch, im Moment zu hoch für die deutschen Riesenslalomfahrer. Er sei eigentlich keiner, sagt Männer-Cheftrainer Christian Schwaiger, „der sich mit einem zehnten Platz zufrieden gibt“. Aber beim alpinen Weltcup-Auftakt in Sölden wäre das schon ein Erfolg gewesen. Ein paar Stunden lang durfte die deutsche Mannschaft am Sonntag sogar auf eine kleine Überraschung hoffen, weil Alexander Schmid (SC Fischen) die Erwartungen im ersten Durchgang übertroffen hatte. Als Siebter hielt er mit den Besten mit, trotz des Trainingsrückstandes wegen einer Quadripssehnenentzündung, doch dann passierte, was er auch in der vergangenen Saison oft erlebt hatte – der 27-Jährige konnte die gute Ausgangsposition nicht nutzen und fiel zurück. Mit Platz 19 beendete er das Auftaktrennen im Ötztal noch hinter Stefan Luitz (17.).
Die Deutschen treten im Riesenslalom seit ein paar Jahren auf der Strecke. Anders als in Abfahrt und Super-G ist es Schwaiger bisher in den technischen Disziplinen nicht gelungen, eine Mannschaft aufzubauen. Es gibt zwar ein paar Nachwuchsfahrer, die im Europacup erfolgreich unterwegs sind, aber „der Transfer in den Weltcup“, sagt der Österreicher, „ist relativ zäh“. Außerdem fehlt im Riesenslalom ein Siegfahrer als Orientierung und Leitfigur. „Ohne einen Athleten, der aufs Podium fährt, wirst du immer ein Problem haben“, erklärte der Cheftrainer.
Dabei sah es vor ein paar Jahren so aus, als ob Luitz (Bolsterlang) diese Rolle übernehmen könnte. Sieben Mal Mal stand er zwischen 2013 und 2018 im Riesenslalom auf dem Podium, darunter war sogar ein Weltcup-Sieg, 2018 in Beaver Creek. Aber dann veränderte der Weltverband mal wieder die Regularien für Ski-Radien, was eine neue Fahrtechnik erforderte. Die Umstellung fiel Luitz nicht so leicht.
Und dann hat er sich auch noch zu einem Skimarkenwechsel entschlossen, in einem Olympia-Winter ist dies in der Branche ein eher ungewöhnlicher Schritt – denn, so betont Schwaiger, „in der ersten Saison auf neuem Material ist es immer ein Thema, wie du das Setup Woche für Woche optimieren kannst“. Zumal wenn Bedingungen herrschen, unter denen zuvor noch nicht trainiert und getestet werden konnte.
Luitz bereitete am Sonntag vor allem der eisige Steilhang Probleme. „Da muss ich schauen, dass ich der Chef bin und nicht die Ski mit mir fahren“, gibt er zu.
Bei den Frauen sieht es im Riesenslalom seit dem Rücktritt von Viktoria Rebensburg (Kreuth) vor der vergangenen Saison noch düsterer aus. Marlene Schmotz erfüllte immerhin das Minimalziel. Sie qualifizierte sich im Gegensatz zu Andrea Filser (Wildsteig) für den zweiten Durchgang und beendete den als 28. Damit sicherte die Fischbachauerin den deutschen Frauen für den nächsten Riesenslalom in Killington Ende November einen dritten Startplatz. ELISABETH SCHLAMMERL