Shiffrin: Mit neuem Freund zu alter Stärke

von Redaktion

SKI ALPIN Der US-Star findet ihr Feuer wieder und siegt in Sölden vor Lara Gut-Behrami

VON ELISABETH SCHLAMMERL

Sölden – Die Zielraumkamera hatte sich schon mal postiert. Sie richtete sich aber nicht auf die Tribüne, die beim alpinen Weltcup-Auftakt in Sölden nach einem Jahr der Stille und Leere wieder voll war. Auch nicht auf die in diesem Moment Führende des Riesenslaloms – oder Eileen Shiffrin, die Mutter der jungen Dame, die nun gleich zum zweiten Mal die steile Piste auf dem Rettenbachgletscher hinunterfahren würde. Ein junger Mann in gelber Skijacke und grauer Jogginghose war das Objekt der Begierde. Kein Unbekannter zwar in der Branche, denn immerhin ein ehemaliger Gesamtweltcupsieger. Aber bis zu dieser Saison hätte es wohl niemanden besonders interessiert, wenn Aleksander Aamodt Kilde bei einem Frauenrennen im Zielraum gestanden wäre. Nun ist er aber seit einigen Monaten der Freund von Mikaela Shiffrin. Die erfolgreichste aktive Skirennläuferin und der Norweger, der nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen Winter nun wieder den Gesamtweltcup in Angriff nehmen will, sind jetzt so etwas wie das Glamour-Paar des Skisports.

Als Shiffrin mit Bestzeit im Ziel abschwang, reckte Kilde die zu Fäusten geballten Hände in die Höhe, kurz darauf kam Eileen Shiffrin und herzte den Herzensmann ihrer Tochter. Ein paar Minuten später stand fest, dass die Amerikanerin das erste Weltcup-Rennen der Saison gewonnen hatte, weil die Führende nach dem ersten Durchgang, Lara Gut-Behrami (Schweiz), in der Addition der beiden Läufe 14/100 Sekunden langsamer war.

Es war aber nicht einfach nur der 70. Weltcupsieg der 26-Jährigen aus den USA, sondern vielmehr ein Signal. Für die Konkurrenz, aber auch für sie selbst die Bestätigung, bereit zu sein für die großen Ziele in diesem Winter. „Die große Frage“, sagte Shiffrin, „war ja, ob ich auch wieder mit dem Feuer von früher fahren kann und wieder gewinnen kann.“

Diese Saison ist auch ein Neustart für Shiffrin. Vor dem Auftakt hatte sie erklärt, sie träume davon, bei den Olympischen Winterspielen in Peking in allen fünf Disziplinen an den Start gehen zu wollen und wieder um den Gesamtweltcupsieg mitzufahren. Der vergangene Winter war nach dem Tod ihres Vaters im Februar 2020 wie eine Therapie. Nur langsam fand sie zurück ins Leben, in ein neues Leben. Bei der WM in Cortina d’Ampezzo war dann schon wieder etwas zu sehen von der früheren Mikaela Shiffrin. Sie holte in jedem ihrer vier Rennen eine Medaille. Zu diesem Zeitpunkt, wie sie jetzt erst verriet, waren sie und Kilde sich bereits nähergekommen. Er hat ihr geholfen, wieder zu sich selbst zu finden. „Er ist besonders“, sagt Shiffrin.

Früher hätte sie sich nicht vorstellen können, dass einmal ihr Freund im Ziel steht, weil sie das Gefühl gehabt hätte, sich ablenken zu lassen, gab sie zu. Bei Kilde scheint das anders zu sein. Seine Nähe, auch rund um den Wettkampf, hilft ihr. „Er ist auf der gleichen Wellenlänge, motiviert mich.“ Und er ist auch ein guter Berater bei allen Fragen rund ums Skifahren. „Wir sind ein starkes Team, stärker als wir vorher ohne den anderen waren“, sagte Kilde zuletzt in der Schweizer „NZZ“.

Es scheint die beiden nicht zu stören, dass jeder Jubel, jede Umarmung festgehalten, kommentiert wird. Aber sie hatten sich im Sommer auch bewusst entschieden, ihre Beziehung öffentlich zu machen. Zuletzt traten sie zusammen bei einem Medientermin ihrer Skifirma auf und gaben ein Zeitungsinterview. In den nächsten Wochen müssen die beiden aber erst einmal wieder getrennte Wege gehen. Shiffrin bereitet sich auf die Rennen im finnischen Levi und Killington in Amerikas Osten vor, Kilde auf die Speedrennen in Kanada und Colorado.

Artikel 3 von 11