München – In der Regel ist es ein gutes Zeichen, wenn die Diskussionen rund um den FC Bayern über fußballfremde Themen geführt werden. Dies belegt, dass es im Kerngeschäft Fußball nichts zu diskutieren gibt, alles seinen gewohnten, erfolgreichen Gang geht. Rein sportlich ruht der Rekordmeister – so würde es wohl Ehrenpräsident Uli Hoeneß formulieren – dieser Tage in sich selbst.
Den jüngsten Beleg dafür lieferten die Münchner am Samstag beim 4:0 gegen bisweilen überforderte Hoffenheimer. In Zahlen heißt das: Der FC Bayern hat sieben der neun bisher ausgetragenen Punktspiele für sich entschieden, steht auf Tabellenplatz eins – und weist schier unglaubliche 33 Ligatreffer auf. So oft hatte zuvor noch nie eine Mannschaft in der Bundesligageschichte nach neun Spieltagen eingenetzt.
„Wir haben vier Tore gemacht und jeder hatte viel Freude“, sagte Robert Lewandowski, der bei 17 Treffern in 13 Saisoneinsätzen den Torhunger aus der vergangenen Saison beibehalten hat. „Manchmal ist es nicht so leicht nach einem Champions-League-Spiel, aber wir haben einen super Kader, auch die Jungs, die von der Bank kommen.“ Eine Bank, auf der sich wie bereits am Mittwoch bei Benfica Lissabon (4:0) kein Julian Nagelsmann fand. Der Chefcoach befindet sich wegen seiner Coronaerkrankung weiterhin in häuslicher Isolation, wurde an der Seitenlinie erneut von Dino Toppmöller vertreten. Viel zu meckern hatte dieser nicht, er sprach von einem verdienten Sieg. Emotionslos. Wenn Siegen zur Routine wird.
Emotionaler wurde Toppmöller, als er bei der Pressekonferenz auf Kingsley Coman angesprochen wurde. Beim 4:0-Sieg in Lissabon unter der Woche war der Franzose erstmals nach seiner Herz-OP wieder in der Startelf gestanden, gegen die Hoffenheimer kam er nun in der 70. Spielminute von der Bank und erzielte den Treffer zum 4:0-Endstand. „Wir sind alle sehr froh, dass King wieder zurück und in bestechender Form ist“, freute sich der Nagelsmann-Vertreter auf der Trainerbank. „Er hat in den letzten Wochen im Training gezeigt, dass er unbedingt in die Startelf möchte. Er hat am Mittwoch ein beeindruckendes Spiel gemacht, hat das mit seiner Einwechslung bestätigt. Dass es direkt so gut läuft, freut uns alle umso mehr.“
Alles rosarot also im Fußballparadies an der Säbener Straße. Wären da nicht die düsteren Wolken, die insbesondere bei Lucas Hernandez am Horizont aufziehen. Die Rede ist von der Missachtung eines Kontaktverbots zu seiner Ehefrau, aufgrund dessen er zu sechs Monaten Haft verurteilt wurde (wir berichteten). Sollte sich das Landgericht in Madrid dem Antrag auf Revision nicht in Windeseile annehmen, wovon spanische Rechtsexperten nicht ausgehen, muss der Bayern-Star spätestens am Donnerstag besagte Gefängnisstrafe antreten. Er würde dem FC Bayern somit schlimmstenfalls bis April fehlen.
Zumindest sportlich läuft derweil aber alles rund. Der nächste Halt führt die Bayern-Lokomotive nach Mönchengladbach, wo an diesem Mittwoch das Pokalspiel gegen die Borussia ansteht (20.45 Uhr). Am Niederrhein ist man trotz der jüngsten 0:1-Enttäuschung gegen Hertha BSC guter Dinge. „Wir freuen uns riesig darauf. Mittwochabend bei Flutlicht. Ich glaube, es dürfen 48 000 Zuschauer kommen. Wir werden alles raushauen und wollen sie schlagen“, kündigte Gladbach-Profi Jonas Hofmann an. Cheftrainer Adi Hütter meinte: „Bayern ist sehr gut in Form, aber auch meine Mannschaft ist zu Hause noch ungeschlagen.“