Mark van Bommel präsentierte sich einst als Fußballprofi gerne auf die rustikale Art. Er galt als vortreffliche Verkörperung, des „aggressive leaders“, des giftig-kämpferischen Führungsspielers, der auf raubeinige Art im Mittelfeld waltet. Van Bommel brachte es immerhin zum Kapitän des FC Bayern, sammelte neben Gelben Karten (in seiner Karriere waren es insgesamt erstaunliche 139) und Platzverweisen (13) auch eine Menge Titel. Allerdings traf der knüppelharte Mark, der selbst im Training die Teamkollegen bisweilen im überenergischen Zweikampf malträtierte, dann beim FC Bayern auf einen, der erstens mächtiger war als er – und zudem in kontroversen Situationen ebenfalls sehr unangenehm werden konnte: Trainer Louis van Gaal. Mit dem Zerwürfnis mit seinem niederländischen Landsmann endete 2011 auch das Münchner Gastspiel des verdienstvollen Haudegens.
Inzwischen ist van Bommel, 44, Trainer – und auch in dieser Rolle ist er nun an einen geraten, der überaus kantig und grimmig sein kann: Jörg Schmadtke, 57, Manager des VfL Wolfsburg. Der frühere Torhüter pflegt in Personalangelegenheiten einen durchaus ruppigen, kompromisslosen Stil. Schon einst in Köln gab es mächtig Zoff zwischen Schmadtke und dem damaligen Trainer Peter Stöger. In Wolfsburg zog es Bruna Labbadia 2019 vor, infolge nachhaltiger Zwistigkeiten mit dem Sportchef freiwillig den Hut zu nehmen. Auch vergangene Saison brodelte es hinter den Kulissen. Zwischen Trainer Oliver Glasner und Schmadtke krachte es gewaltig, nur Siege und das überraschende Erreichen der Champions League verhinderten die vorzeitige Trennung. Die Vermutung liegt nahe, dass sich Glasner nach der Saison leichten Herzens gen Frankfurt verabschiedete.
Und nun also das Aus von van Bommel – nach nur neun Spieltagen und bei einer aktuelle Platzierung (Rang 9, 13), die sicher nicht als Katastrophenfall gedeutet werden müsste. Van Bommel hätte gern, wie es schon immer seine Art war, weitergekämpft. Dass ihm Schmadtke keine Bewährungsfrist gewährte, hat allerdings auch ein paar Gründe. Wolfsburg, das unbedingt auch kommende Saison international etwas mitmischen möchte, hat die letzten vier Bundesligapartien verloren und blieb insgesamt in acht Spielen in Serie sieglos. Der Trend also ist durchaus besorgniserregend, eine zerknirschte Reaktion seitens der Sportlichen Leitung kommt da nicht unbedingt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Allerdings sollte sich Schmadtke, der Gnadenlose, darüber im Klaren sein, dass er bei der Auswahl des neuen Trainers nun ein glücklicheres Händchen haben sollte. Schließlich ist auch ein Sportchef bekanntlich nicht unkündbar.
Armin.Gibis@ovb.net