München – Es seien „seit Wochen immer die selben Themen“, hatte Julian Nagelsmann schon nach dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt geklagt. Gemeint hatte der Trainer des FC Bayern bei seiner ersten Pflichtspiel-Niederlage in München die nachlässige Defensivarbeit seiner Stars. Da habe man, so Nagelsmann „einiges zu tun, um den nächsten Schritt zu machen“.
Der gelang den Münchnern anschließend bei den Siegen gegen Bayer Leverkusen (5:1), 1899 Hoffenheim (4:0) und in Lissabon (4:0), ehe beim 0:5-Pokaldesaster in Mönchengladbach der totale Abwehr-Offenbarungseid folgte. Auch beim jüngsten 5:2-Sieg in der Bundesliga bei Union Berlin zeigte sich die Defensive des deutschen Fußball-Rekordmeisters einmal mehr anfällig. Dies rief Nagelsmann nun erneut auf den Plan.
„Es sind in allen Spielen ähnliche Muster, wenn wir Chancen gegen uns bekommen. Am Ende ist es oft noch zu leicht. Es geht darum, die letzten Schritte zu machen in den Aktionen“, forderte der 34-Jährige vor dem Champions-League-Gruppenspiel am Dienstagabend gegen Benfica Lissabon (bei Druck dieser Ausgabe noch nicht beendet, Anm. d. Red.).
Es gehe „gar nicht zwingend um die Räume, sondern vor allem um die Aktivität. In vielen Phasen der Saison haben wir das besser hinbekommen. Diese Bereitschaft müssen wir wieder reinkriegen und nicht hoffen, dass die Kette es wegverteidigt oder Manu (Neuer, Anm. d. Red.) hält“, sagte Nagelsmann. Und dies, ergänzte er mit Nachdruck, sei „eine Aufgabe für die gesamte Mannschaft“. Linksverteidiger Alphonso Davies sprach deshalb von fehlender Balance.
In der Tat. Oft genug berauschen sich die Bayern an ihrem Offensivspiel. 38 Tore in nur zehn Bundesligaspielen dieser Saison bedeuten einen Rekord, dazu kamen bis zum Lissabon-Rückspiel zwölf Treffer in drei Partien in der Königsklasse. Die Defensive mit den Innenverteidigern Lucas Hernandez, Niklas Süle und Dayot Upamecano leidet jedoch unter dem Vorwärtsdrang, da im Mittelfeld um Joshua Kimmich und Leon Goretzka die Absicherung fehlt.
„Angst und bange“ werde ihm deshalb nicht, sagte Nagelsmann. Das Problem sei „einfach zu beheben“. Aber er weiß auch, „dass Defensivarbeit nicht so viel Spaß macht wie mit dem Ball nach vorne zu spielen“.
Das Problem ist jedoch nicht neu. Auch unter Hansi Flick taten sich bei schnellen Gegenangriffen oft massive Lücken auf, die zu Großchancen führten. „Wir haben zu viele Gegentore in den vergangenen beiden Jahren bekommen“, monierte zuletzt Vorstandschef Oliver Kahn. Nun könne die Mannschaft hingegen „wieder zu Null spielen, was die Basis für erfolgreichen Fußball ist“. Dies sagte Kahn allerdings vor dem Gladbach-Spiel.
Es bleibt für Nagelsmann die wichtigste Aufgabe, die Münchner Defensive zu stabilisieren. Und dabei nimmt er seine Stars immer wieder in die Pflicht. Defensive, betonte er bereits vor Wochen, „hat immer ein bisschen was mit Haltung zu tun. Tore schießen hat etwas mit Gier zu tun. Die brauchen wir auch in der Defensive.“ sid