SC Freiburg

Kleine Wunder im Fußballidyll

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Es ist nicht so leicht im trüben Monat November, dem Liga-Alltag noch Lichtblicke abgewinnen zu können. Klar, die Bayern wirbeln spektakulär wie selten zuvor. Und nach Lage der Dinge müsste viel passieren, dass ihr imposanter Erfolgsstil à la Nagelsmann nicht mit dem zehnten Meistertitel in Serie enden würde. Doch dann wird es schon etwas schwierig, größere fußballerische Sympathien zu entwickeln. Dortmund ohne Haaland? Nur die Hälfte wert. Leipzig? Immer noch in der Findungsphase der Post-Nagelsmann-Ära. Leverkusen? Labil wie eh und je. Mönchengladbach? Nur im Pokal eine Wucht, ansonsten enttäuschend. Aber halt, es gibt da schon noch einen Club, der Spaß macht: der kleine und – in seiner besonderen Art – zugleich große SC Freiburg.

Sicher, es wäre übertrieben zu behaupten, die Schwarzwälder hätten sich in den vergangenen Jahren mit allerhöchster Fußballkunst profiliert. Doch das erwartet auch niemand von einem – pardon – Provinzverein, der es seit Jahrzehnten mit vergleichsweise mickrigem Budget schafft, sich in der deutschen Eliteliga zu behaupten. Genau genommen handelt es sich da fast schon um ein kleines Wunder. Schließlich setzen die Freiburger auf größtenteils völlig aus der Mode gekommene Grundwerte des Fußballs: Bodenständigkeit, Kontinuität, Sparsamkeit, hocheffiziente Talentförderung. Auf diese Weise schafften es die Breisgauer, ihre Konkurrenzfähigkeit tatsächlich zu festigen, obwohl sie Jahr für Jahr ihre besten Spieler an finanzkräftigere Clubs abgeben mussten.

In dieser Saison übertrafen sich die Freiburger sogar selbst. Bis vergangenes Wochenende waren sie die einzig ungeschlagene Mannschaft, besiegten sogar Dortmund. Die Erfolgsserie endete erst in München. Doch das von Trainer Christian Streich befehligte Team entpuppte sich als ernsthafter Herausforderer des Branchenriesen FCB, bot beim 1:2 bravourösen Widerstand bis zur letzten Sekunde. Das hatte schon große Klasse.

Freiburg wäre aber nicht Freiburg, wenn Streich nicht mit barscher Zurückweisung reagiert hätte, als er auf die Champions League angesprochen wurde. Er beschäftige sich „nullkommanull“ mit „dem ganzen Gerede“, knurrte der 56-Jährige: „Kümmert Euch um Bayern, Dortmund und die anderen – lasst unsere Jungs in Ruhe!“ So klingt die Sprache des Realismus. Und damit haben sie es im Idyll an der Dreisam beeindruckend weit gebracht.

Armin.Gibis@ovb.net

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