München – Geld spielt bei vielen Fußballvereinen offenbar keine Rolle mehr. Auch Karl-Heinz Rummenigge (67) wünscht sich im Profi-Bereich eine Rückkehr zu „ein bisschen mehr Rationalität“. Die heutigen Gehälter und Ablösesummen von teils über 100 Millionen Euro seien jenseits von Gut und Böse. „Das versteht doch kein normaler Mensch mehr“, sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern am Mittwochabend bei der Vortragsreihe „Menschen in Europa“ der „Passauer Neuen Presse“.
Während die meisten Vereine während der Corona-Pandemie sparen müssen, werfen Investoren-geführte Clubs mit Scheinen um sich. Siehe Paris Saint-Germain oder Manchester City. Kürzlich wurde auch Newcastle United an ein Konsortium mit saudischer Beteiligung verkauft. „Ich glaube, es ist kein guter Weg, wenn nur noch Mannschaften Erfolg haben können, die von Milliardären oder Staaten besessen werden“, meinte Rummenigge. Für die Bundesliga sei es durch die 50+1 Regel auf Dauer unmöglich, da mitzuhalten, so der Ex-Bayern-Boss.
Mit Blick auf das eigene Sponsoring durch Qatar Airways, das von vielen Fans aufgrund der Menschenrechtslage im Emirat seit längerer Zeit kritisch gesehen wird, fügte Rummenigge im WDR an: „Ich war da nie ein Pharisäer, wenn ich das mal so sagen darf. Wir haben gutes Geld aus diesem Vertrag bekommen.“ Der 66-Jährige betonte aber auch, dass der FC Bayern im Zuge der Partnerschaft gesellschaftspolitischen Einfluss zur Verbesserung von Menschen- und Arbeitsrechten genommen habe.
Upamecano zu Pokal-Debakel: Aus Fehlern muss man lernen
Fakt ist: Trotz des Corona-bedingten Sparkurses spielen die seriös wirtschaftenden Bayern international ganz vorne mit. Auch in der Bundesliga läuft es unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann (34) bestens. Nur im DFB-Pokal gab es ein Blackout beim 0:5 in der 2. Runde in Mönchengladbach. „Das war schlimm, und dafür will ich mich bei den Fans auch entschuldigen“, sagte Neuzugang Dayot Upamecano (23) bei Goal und Spox. Zurückwerfen lassen will sich der Innenverteidiger davon nicht. „Mein Ansatz ist: Aus den eigenen Fehlern muss man lernen. Ich gehe die Dinge einfach ernsthaft an und will eine gute Mentalität zeigen“, betonte der französische Nationalspieler, der sich von einer Frau vertreten lässt. Seine Beraterin Raquel Rosa (Sports360) leiste eine ausgezeichnete Arbeit und verfüge über viel Erfahrung im Männerfußball. „Ich vertraue ihr. Ich muss sie nicht mit einem männlichen Berater vergleichen, denn ich sehe da keinen Unterschied“, so Upamecano, dessen Entscheidung auch familiäre Gründe hatte. „Meine Mutter hat mich großgezogen, für mich ist das also nichts Ungewöhnliches.“
PHILIPP KESSLER, MANUEL BONKE