Löw geht mit Applaus – und hat wieder Lust

von Redaktion

Bei seiner Verabschiedung stellt der ehemalige Bundestrainer ein Comeback in Aussicht

Wolfsburg – Die Worte waren größer als die Taten, die der DFB im Rahmen der Verabschiedung von Joachim Löw in der Wolfsburger Volkswagen-Arena folgen ließ. „Jahrhundert-Trainer. Historisch. Menschlich. Weltmeisterlich. Danke für alles, Jogi“ stand auf der Urkunde, die der Ex-Bundestrainer von Interimspräsident Peter Peters überreicht bekam.

Das Geschehen auf dem Platz/Spielfeldrand wirkte hingegen stark unterkühlt. Mit Lukas Podolski, Per Mertesacker, Sami Khedira, Miroslav Klose und Mario Gomez bildeten gerade einmal fünf ehemalige Jogi-Jünger den Spalier zu Ehren des Bundestrainers a. D. und wurden von den beiden Noch-Nationalspielern Mats Hummels und Julian Draxler und Teammanager Benedikt Höwedes komplettiert. DFB-Direktor Oliver Bierhoff nicht zu vergessen. Von Jerome Boateng und Bastian Schweinsteiger, die vom Stadionsprecher angekündigt wurden, war zumindest auf dem Rasen weit und breit keine Spur. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die FIFA als Veranstalter des WM-Qualifikationsspiels dem DFB maximal fünf Minuten für die Verabschiedungsprozedur zur Verfügung stellte, es blieb also keine Zeit für emotionale Reden oder Gesten.

Immerhin: Warme Worte und spürbar dankbaren Applaus gab es für Jogi von den Zuschauerrängen. Der Fanclub Nationalmannschaft hatte folgendes Transparent in der Fankurve angebracht: „Herberger. Schön. Beckenbauer. Löw: Mit högschder Disziplin zum Weltmeister-Trainer. Wir sagen: Danke Jogi“ Wobei die letzten beiden Worte mit schwarz-rot-goldenen Plastik-Folien choreografiert wurden. „Nach so vielen Jahren und so einer langen Reise musste ich natürlich Abstand gewinnen. Das letzte Turnier war ja für uns alle ein bisschen enttäuschend. Von daher habe ich eine Weile gebraucht. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass es mir gut geht und ich mich auf Fußball freue“, sagte Löw bei RTL und schloss sogar ein Trainer-Comeback nicht aus: „Das ist durchaus vorstellbar. Nach so langer Zeit brauchte ich ein halbes Jahr oder vielleicht ein Jahr, um Abstand zu gewinnen und zu orientieren. Die Lust kommt allmählich zurück und die Motivation.“

Löw bleibt zu wünschen, dass die Party im Mannschaftshotel im Anschluss an das Liechtensteinspiel emotionaler war. So wie es beispielsweise die Danksagungen von Bundestrainer Hansi Flick war. „Jogi hat den Druck nie weitergegeben, das ist eine ganz große Stärke von ihm. Ich habe ihm viel zu verdanken und freue mich sehr, ihn wiederzusehen. Und wenn wir dann, vielleicht am Ende des Tages, ein Glas Rotwein zusammen trinken können, wäre das umso schöner“, sagte er und ergänzte: „Für mich ist er der beste Bundestrainer, den wir je hatten. Er hat den deutschen Fußball einfach anders aufgestellt.“

M. BONKE; P. KESSLER

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