Füssen – Sie träumen von etwas Großem: Februar in Peking, Olympische Spiele, besonderes Flair, imposante Halle, viele Zuschauer, Präsenz im Fernsehen, bundesweite Aufmerksamkeit. Doch die Realität der deutschen Eishockey-Frauen wird es wohl weiter sein, dass sie vor kleiner Kulisse antreten müssen, vor dem Fachpublikum ihrer kleinen Blase. Wie am Donnerstagabend in Füssen: Da starteten sie mit einer 0:3-Niederlage gegen Österreich ins Qualifikationsturnier für besagte Olympische Spiele in Peking. Ein 40-Personen-Fanclub unter den 386 Zuschauern sang 60 Nettominuten beharrlich „Super-Deutschland, olé“ und „Nie mehr Österreich“, doch am Ende war es so, dass die Deutschen mit leeren Blicken verfolgten, wie die Gegnerinnen zum Hören der für sie als Siegerinnen gespielten Hymne Handschuhe und Schläger auf dem Eis ablegten und dazu fast schon schunkelten.
0:3 gegen Österreich – ein Schlag. Denn man hat Heimrecht in diesem Vier-Nationen-Turnier, das nur den Ersten nach China bringt, und war aufgrund der Weltranglistenposition (8.) Favorit gegen die Austrianerinnen (14.) und steht auch vor Dänemark (12.) und Italien (17.). Doch das 0:3 bedeutet: „Wir haben es nicht mehr selbst in der Hand“, so Bundestrainer Tom Schädler. Er muss hoffen, dass ein anderes Team Österreich Punkte wegnimmt und seine eigene Mannschaft die restlichen Spiele am Samstag (Italien) und Sonntag (Dänemark) gewinnt.
„Wir waren ziemlich vervös am Anfang“, gestand Marie Delarbre. Für Kapitänin Julia Zorn von der ESC Planegg-Würmtal lag die Ursache „in unserem Powerplay“. Achtmal hatte das deutsche Team Überzahl, kam kaum einmal in gute Schussposition, fing sich aber in der 19. Minute das 0:1 durch Theresa Schafzahl ein, die für die Uni Vermont spielt. Probleme bereiteten den Deutschen auch die Doppeltorschützin Janine Weber, die Profi in Nordamerika ist, und Anna Meixner, die beim schwedischen Club Brynäs Gävle unter Vertrag steht. Sie hatte in der 34. Minute sogar die Chance zu einem weiteren Treffer, scheiterte aber an Sandra Abstreiter im deutschen Tor.
Ihre Beklemmungen wurden die deutschen Frauen über die gesamte Spielzeit nicht los, „obwohl wir die vergangenen vier Tage mit einem Sportpsychologen gearbeitet haben“, so Coach Schädler. Letztmals gelang eine Olympia-Qualifikation 2014. Und nun ist sie womöglich nach einer Partie außer Reichweite. Dennoch will Schädler sein Team „auf Italien vorbereiten, als hätten wir gewonnen“.