„Sollen wir mit zehn Mann spielen, damit es spannend wird?“

von Redaktion

Uli Hoeneß spricht im Podcast „11 Leben“ über die finanziellen Verhältnisse in der Bundesliga und in Europa

München – Der FC Bayern hat sich seinen Weg in die europäische Spitze hart erarbeitet. Paris Saint-Germain oder Manchester City hingegen versuchen, sich den sportlichen Erfolg dank externer Geldgeber zu erkaufen. Klappte bislang nicht wirklich . . . Einen entsprechenden Seitenhieb kann sich Uli Hoeneß (69) nicht verkneifen. „Bis jetzt haben sie gar nichts gewonnen. Gar nichts. Keinen einzigen Champions-League-Titel haben die zwei Vereinigungen“, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern im Podcast „11 Leben –Die Welt von Uli Hoeneß“. „Die werden auch weiterhin gegen uns verlieren, und wenn wir gewinnen, freue ich mich tierisch. Nicht immer, aber manchmal. Und das muss unser Ziel sein.“ Seine Botschaft: „Das ist jetzt wieder der Reiz für mich: Denen zu zeigen: ,Euer Scheißgeld, das reicht nicht!’“

Hoeneß wurde 1979 mit 27 Jahren Manager des FC Bayern. Er bekam nichts hinterhergeworfen. Davon könne bei PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi nicht die Rede sein. „Der Unterschied zwischen ihm und mir ist: Ich habe das Geld hart erarbeitet, und er hat es geschenkt bekommen“, stellte Hoeneß klar.

Paris Saint-Germain ist seit 2011 im Besitz einer katarischen Investorengruppe. 2017 holte PSG Neymar für eine Ablöse in Höhe von 222 Millionen Euro aus Barcelona, Kylian Mbappé kam wenig später per Leihe inklusive der 145 Millionen Euro Kaufoption aus Monaco. Nun wurde Barça-Legende Lionel Messi nach Paris gelockt. Den Champions-League-Titel konnte sich al-Khelaifi aber nicht erkaufen. Gleiches gilt für Manchester City, das im Besitz einer Holding von Abu Dhabi ist. Der FC Bayern indes holte 20/21 das Sextuple.

Einige beklagen ob der nationalen Dominanz der Bayern, dass es keinen Titelkampf mehr gebe. „Sollen wir jetzt den Betrieb einstellen, damit die Bundesliga wieder spannend wird? Oder sollen wir in Zukunft mit zehn Mann spielen?“, kontert Hoeneß, der über die Öffnung der Bundesliga für externe Investoren meint: „Vielleicht wäre der Ansatz, dass man öffnet. Wenn der Herr Kind (Geschäftsführer und Mit-Eigentümer von Hannover 96, d. Red.) meint, er hat vier, fünf Milliardäre, die da bereit sind, jeder ein paar hundert Millionen reinzustecken und dann richtig investieren kann, dann würde ich das riskieren. Also würde ich dem zustimmen.“

Eine Umverteilung der Einnahmen würde „gar keine Probleme“ lösen. „Der Markt funktioniert nur deshalb im Moment nicht, weil wir ihn zu sehr regulieren über 50+1“, so Hoeneß. Da die TV-Einnahmen in Deutschland „total solidarisch“ verteilt würden, sehe er „im Großen und Ganzen“ keine zunehmende Spreizung.

PHILIPP KESSLER, MANUEL BONKE

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