Die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ist abgeschlossen, jetzt ist die Buchhaltung des DFB dran: Wer wurde wie oft berufen, stand auf dem Platz oder gehörte nur zum Kader? Danach werden die Prämien berechnet, und erstmals nach einer Quali-Runde muss berücksichtigt werden, dass es zwei zuständige Trainer gab: Drei Spiele standen noch unter der Verantwortung von Joachim Löw, und natürlich muss auch das anteilig gewürdigt werden. Ist übrigens auch im Vereinsfußball so, dass ein Trainer bisweilen noch etwas zugesteckt bekommt für das, was im Wesentlichen sein Nachfolger geleistet hat.
Durch die Besonderheit in der Trainerbesetzung bestand diese Qualifikation also aus zwei Staffeln, und ohne jetzt auf Jogi Löw herumhacken zu wollen, muss man sagen, dass die erste die deutlich schwächere war, in der eine Mannschaft den Eindruck erweckte, sie schleppe sich einem Ende entgegen. Die Siege gegen Island und in Rumänien im März bestätigten zwar, dass die DFB-Auswahl immer das Rüstzeug hat, um jeder Qualifikationsanforderung gerecht zu werden, doch die Heimniederlage gegen Nordmazedonien zeigte, dass Löw dem Team nicht mehr viel zu geben hatte (was sich beim EM-Turnier im Sommer auch bestätigte). Löws Nachfolger Hansi Flick indes gelang es, in der laufenden Runde einen Neuanfang zu markieren. Nicht nur durch seine Person und einen tiefgreifend veränderten Mitarbeiterstab. Unter Löw wäre die deutsche Mannschaft schon auch irgendwie durchgekommen – so schwer war die Gruppe wahrlich nicht –, doch Flick vollbrachte mehr als das Abliefern befriedigender Resultate: Die Spieler offenbarten eine Begeisterung für das, was sie taten. Und dass dies nicht gegen die erste Kategorie des Weltfußballs geschah, spricht erst recht für Flicks Arbeit. Denn die Motivation für die großen Spiele ist ein Selbstläufer, des Trainers Einwirken ist gefragt an den kalten, nieseligen Abenden in provinziellen Stadien.
Hansi Flick hat – für die, die ihn kennen, war es keine Überraschung – souverän in seinen neuen Job hineingefunden. Klar jedoch, dass sich erst mit der Zeit zeigen wird, ob das Engagement der Spieler anhält, wenn der Zauber des Neuanfangs sich gelegt haben wird. Dass einige wie Marco Reus ihre DFB-Einsätze dosieren und die Vereine auf eine Steuerung der Belastung in ihrem Sinn hinwirken, das ist auch in Flicks „Nationalspieler ist man 365 Tage im Jahr“-Programm so geblieben, wie es unter Löw war.
Guenter.Klein@ovb.net