München – Das Selbstvertrauen ist zurück! Sieben Spiele, sieben Siege – unter Hansi Flick (56) ist die deutsche Nationalmannschaft bislang wieder unbesiegbar. Zumindest gegen die kleineren Nationen. Die große Frage: Reicht die aktuelle Qualität auch gegen die Großen? „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, machte der neue Bundestrainer am Sonntagabend klar. „Ich glaube auch, dass sich die Mannschaft gegen stärkere Gegner noch steigern kann. Die Spiele haben gezeigt, dass wir zurück sind. Auch mit unserer Art und Weise wie wir Fußball spielen.“
Was auffällt: Die Mannschaft will das Ergebnis nach Vorsprüngen nicht nur verwalten. Im Gegenteil: Unter Flick hat Deutschland wieder eine Nimmersatt-Einstellung. Beim 9:0 am Donnerstag gegen Liechtenstein in Wolfsburg und drei Tage später beim 4:1 in Armenien drückten Thomas Müller (32) & Co. trotz Vorsprungs immer weiter aufs nächste Tor. „Wir hatten ja jetzt in unserer WM-Qualifikationsgruppe noch keine ganz großen Hochkaräter dabei. Trotzdem haben wir die Aufgaben teilweise wirklich super gelöst, super Spiele abgeliefert. Und das lässt uns einfach positiv in das neue Jahr gehen“, betonte Müller nach dem Spiel in Eriwan bei RTL. Das Länderspieljahr des DFB war durchwachsen. Einerseits war da die verkorkste Europameisterschaft im Sommer unter Ex-Bundestrainer und Weltmeister-Coach Joachim Löw (61). Andererseits aber auch die leichte Euphorie, die Flick bislang seit seinem Amtsantritt wieder entfachen konnte. „Man sieht, dass wir die letzten drei Monate gute Arbeit geleistet haben“, so Müller.
Trotzdem ist natürlich noch nicht alles eitel Wonne. Das weiß auch Flick, dem beispielsweise das Umschaltspiel seiner Mannschaft gegen Armenien nicht ganz gefallen hat. „Wir können einiges verbessern. Aber das ist ganz normal, da wir wenig Zeit zum Trainieren hatten. Wir sind aber auf einem guten Weg“, erklärte Flick, der sich für die nächsten Testspiele im März einen „wirklichen Hochkaräter“ wünscht. Ab Januar wollen Flick und sein Trainer-Team die Mannschaft fit machen für den Angriff auf den WM-Titel 2022 in Katar. Bedeutet auch: Die Spieler sollen sich auch abseits der Lehrgänge mit der Spielphilosophie des DFB beschäftigen und an Schwächen und Stärken arbeiten. „Wir begleiten die Spieler über das ganze Jahr hinweg“, so Flick.
PHILIPP KESSLER