Bayern-Frauen: Spielglück und Viertelfinale statt Eierball-Frust

von Redaktion

München – Es lief die sechste Minute der Nachspielzeit, als ein letzter Eckball in den Strafraum segelte. Bayern-Torhüterin Laura Benkarth bekam die scharfe Hereingabe nicht geklärt, war aber danach auf der Hut. Es begann ein wildes Gestochere, drei Nachschüsse aus Kurzdistanz wurden abgeblockt, ehe schließlich Klara Bühl den Ball aus dem Strafraum schlagen konnte. Daraufhin pfiff Schiedsrichterin Lina Lehtovaara die Partie direkt ab.

„Wir haben alle die Luft angehalten und es dann fast wie ein eigenes Tor gefeiert, als der Ball weg war“, beschrieb die zuvor ausgewechselte Carolin Simon die Szene: „Wir waren alle froh, dass wir da nicht noch in der letzten Minute so einen unnötigen Eierball reinkriegen.“ In dieser Szene hatten die Bayern-Frauen das, was ihnen bei der Hinspiel-Niederlage in Lyon und im Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag gegen Wolfsburg gefehlt hatte: Spielglück.

Glücklich war der 1:0-Sieg in der Gruppe D der Champions League gegen das Spitzenteam aus Frankreich aber keineswegs, sondern hochverdient. Von Beginn an bestimmten die Bayern-Frauen das Spiel und nahmen Lyons gefürchtete Offensive um Superstar Ada Hegerberg weitgehend aus dem Spiel. „Wir konnten alles umsetzen, was wir uns für das Rückspiel vorgenommen haben“, erklärte Simon: „Wir waren unfassbar aggressiv und bissig in den Zweikämpfen und sind von der ersten Minute an selbstbewusst aufgetreten. Die letzte Woche war sehr schwer, aber wir sind als Mannschaft zueinandergestanden. Wir haben immer an uns und unsere Stärken geglaubt.“ Die Außenverteidigerin hatte den Eckball getreten, den Saki Kumagai (69.) zum Siegtreffer einköpfte. Für Lyon war es nach zuvor 13 Siegen die erste Saisonniederlage.

„Wer so viel investiert, wird auch irgendwann belohnt – und heute sind wir belohnt worden. Wenn wir das beibehalten, werden wir noch ganz viel Erfolg zusammen haben“, sagte Trainer Jens Scheuer. In der Champions League sind die Bayern-Frauen mit jetzt sieben Punkten auf Viertelfinalkurs. In der Bundesliga ist das Team nach der 0:1-Niederlage gegen Wolfsburg auf Rang drei abgerutscht, am Sonntag soll im Heimspiel gegen CZ Jena (13 Uhr) die Aufholjagd beginnen. CHRISTIAN STÜWE

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