Es sind jetzt, seit dem Brasilien-Grand-Prix, nur noch 14 Punkte Rückstand. Bei noch drei ausstehenden Rennen. Und das heißt: Da ist noch alles drin für Lewis Hamilton, den britischen Jäger des fliegenden Niederländers Max Verstappen. Die Formel-1-Saison 2021 biegt auf die Zielgerade ein, nach den Stationen Katar und Saudi-Arabien steigt am 12. Dezember das Finale in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ausgang des Titel-Duells: einfach nicht vorhersehbar, beim besten Willen nicht. Nur eines ist jetzt schon klar: Es handelt sich bei dem Zweikampf Verstappen vs. Hamilton um Rennsport in höchster Vollendung. Besser, aufregender, mitreißender geht es nicht. Und so bietet die Königsklasse des Motorsports dank der beiden Ausnahme-Steuerkünstler in diesem Jahr also endlich wieder das, was ihr allzu lange fehlte: den ganz großen Nervenkitzel-Faktor.
Das Duell 2021 um die WM-Krone ist ein Kampf auf Biegen und Brechen. Da befehden sich zwei Super-Piloten, von denen keiner auch nur im Traum daran denkt, zurückzuziehen. Die Härte und Kompromisslosigkeit der beiden Rivalen macht ihre Kontroverse auf Rädern für das Publikum noch einmal prickelnder, Erinnerungen an legendäre F1-Feindschaften wie jene zwischen Alain Prost und Ayrton Senna oder Michael Schumacher und Damon Hill werden wach.
Zu hoffen bleibt da nur, dass Max und Lewis, diese beiden, in der Endphase der WM nicht übers Ziel hinausschießen, dass sie sich nicht vom (über)großen Ehrgeiz in Rambo-Aktionen treiben lassen, durch die sie sich womöglich in Gefahr bringen. In der Hitze des Gefechts noch ausreichend kühlen Kopf zu bewahren – auch das sollte ein Ziel der beiden Kampfhähne sein. Wahre Champions nämlich bleiben auch dann noch schön sportlich, wenn es um alles oder nichts geht.
Was übrigens auch die beiden Teams Red Bull und Mercedes beherzigen sollten. Dass die Bullen gerade versuchen, einen angeblichen Geheimtrick der Silbernen zu entlarven, wirkt ein bisschen unehrenhaft und nimmt etwas vom Glanz des ansonsten so wunderbaren WM-Duells. Realistisch ist es freilich, zu erwarten, dass es sich die Titelfighter bis zum Schluss so richtig geben. Auf allen Ebenen. Womöglich bis zur letzten Kurve des Jahres.
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