Golf, Strand, Enkel – und plötzlich DEL

von Redaktion

EISHOCKEY Münchens Gegner Nürnberg mit einem Trainer, gegen den Don Jackson schon in den 70ern spielte

München – 15 Saisonspiele hat der EHC München hinter sich in der 15 Clubs starken Deutschen Eishockey Liga (DEL) – aber noch nicht jedem Konkurrenten ist er begegnet. Corona hat im Terminplan einiges verschoben, darunter die jeweils erste Begegnung mit Nürnberg und Mannheim. Zu den Ice Tigers nach Franken muss der EHC am Freitag (19.30 Uhr).

Das Heimspiel gegen Nürnberg, angesetzt für Sonntag, den 17. Oktober, stand am Beginn des Münchner Corona-Ausbruchs mit 22 Fällen (Spieler plus Betreuer). Am Tag zuvor hatte es massenhaft positive PCR-Tests gegeben. Spiel abgesagt, das Eisstadion blieb zu – und Münchens Trainer Don Jackson ein Treffen verwehrt, das ein besonderes gewesen wäre, das nun aber nachgeholt wird: mit Nürnbergs neuem Trainer Tom Rowe. US-amerikanischer Landsmann, gleicher Jahrgang, 1956. Rowe ist vier Monate älter – und hat Jackson als Senior unter den DEL-Coaches abgelöst.

Don Jackson ist ein freundlicher Mensch, jeden Trainerkollegen in der DEL spricht er mit Vornamen an und bringt eine grundsätzliche Wertschätzung zum Ausdruck – doch wenn er alten Weggefährten von „drüben“ begegnet, wird er noch eine Spur herzlicher. Ob bei Rick Adduono, der zweimal Trainer von Krefeld war, oder Cory Clouston, den selbst bei den Kölner Haien, für die er arbeitete, niemand leiden konnte – Don Jackson freute sich, wenn er die Kollegen sah. Nach den Spielen wurde vertraut geplauscht.

Zwischen 1977 und 83 trafen Jackson und Rowe als Spieler, Verteidiger (Minnesota, Edmonton) und Stürmer (Washington, Hartford, Detroit), aufeinander. Nach der aktiven Karriere blieben beide im Eishockey: Jackson als (Assistenz-)Coach in der NHL, Rowe in wechselnden Rollen (Scout, Manager, Co-Trainer, bei den Florida Panthers sogar Cheftrainer). Jackson suchte sein Glück ab 2004 in Europa, Rowe, von zwei Jahren in Russland abgesehen, erst 2020. Er ging nach Österreich (Linz) – auch Jackson war mal in der Liga gewesen (Salzburg). Und nun: beide gleichzeitig in der DEL. Und am Freitag im direkten Coaching-Wettstreit.

Tom Rowe war der Rente schon ein Stück näher als Don Jackson, über den Münchens Sportdirektor Christian Winkler sagt, er verspüre bei ihm „mehr Energie als je zuvor“. Wann er aufhört, bestimmt er selbst. Rowe hatte sich in den USA dem Programm „Golf, Strand und Enkel“ gewidmet, als die Anfrage aus Nürnberg kam, wo Sportchef Stefan Ustorf unter dem bisherigen Trainer Frank Fischöder nicht die Entwicklung sah, die er für möglich hielt, und „einen kompromisslosen Trainer alter Schule“ suchte. Rowe selbst sagt über sich, er komme nicht mehr über die Lautstärke wie früher: „Ich schaffe eine Atmosphäre, in der die Spieler gerne ins Training gehen. Kommunikation ist das Wichtigste.“ Eine Annäherung an das Konzept, für das Don Jackson steht.

Jedenfalls: Tom Rowe wirkt. Von den sieben DEL-Spielen seit seiner Übernahme ging kein einziges nach 60 Minuten verloren. Die Ice Tigers punkten konstant und sind auf Platz neun vorgerückt.

Egal, wie das Spiel zwischen Nürnberg und München ausgehen wird – sicher ist: Rowe und Jackson werden dem jeweils anderen versichern, einen großartigen Job zu machen. GÜNTER KLEIN

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