50 000 Zuschauer in Kölm

Derbysieger der Verlierer der Woche

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Jeder Fußballfan sollte das mal erlebt haben: ein Nachmittag in Köln-Müngersdorf. Nicht unbedingt wegen des Bundesligaspiels, sondern wegen der Einstimmung darauf. Wenn alle sich erheben und den Gassenhauer der „Höhner“ anstimmen. „Mer stonn zo Dir FC Kölle.“ Mit Glück erwischt man sogar einen Live-Auftritt der Band im Stadion. Großartig.

Nur nicht jetzt. Nicht auf diesem neuen negativen Höhepunkt der Corona-Pandemie. Dafür sind 50 000 Menschen auf dem Areal eines Fußballstadions, das so (um)gebaut wurde, dass man nahe dran ist und dass man die Person neben sich spürt, zu viel. Und man trifft sich nicht nur open air zum Freisetzen von Aerosolen auf den Rängen, sondern bei der Anreise zur Arena, im Stadt, im öffentlichen Nahverkehr. In einem Ameisenhaufen gibt es nicht weniger Kontakte.

Dass das Gesundheitsamt Köln die Veranstaltung in dieser Form und Größe zugelassen hat, zunächst sogar noch ohne Maskenpflicht (erst wenige Stunden vor Anpfiff wurde dieser Punkt kassiert – doch wer hat sich daran wirklich gehalten?), ist eine skandalöse Entscheidung. Sie mag auf Basis politischer Vorgaben im schwarz-gelb regierten Nordrhein-Westfalen sogar legitim sein, doch sie widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Vielleicht sollte man das Gesundheits- besser Krankheitsamt nennen.

Dennoch: Nur wenn etwas erlaubt ist, muss man es noch nicht machen. Das gilt für die Fans im Rahmen ihrer Eigenverantwortung – und erst recht für den Verein, in diesem Fall den 1. FC Köln. Der verhielt sich zu Beginn der Saison noch sehr verantwortungsvoll, indem er als erster Club der Bundesliga 2G zum Zugangs-Standard erhob. Aber in der Frage der 50 000 am 27. November versteckte er sich hinter der örtlichen Behörde. Die Beim-Fußball-passiert-nichts-Argumentation von Geschäftsführer Alexander Wehrle war so daneben wie die von Trainer Steffen Baumgart, der vielleicht weiß, wie man sich lustig anzieht, aber für keinerlei medizinische Kompetenz steht – und auch nicht so klingt, als habe er sie sich in letzter Zeit angeeignet.

Die 50 000 von Köln waren ein fatales Signal. Ein Angriff auf alle, die um das Ende der Pandemie kämpfen. Der 1. FC Köln hat selbstsüchtig Kasse machen wollen und ist als 4:1-Derby-Sieger der Verlierer der Woche.

Guenter.Klein@ovb.net

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