München – Die Zeit der Großveranstaltungen mit vollen Stadien im Profisport läuft ein weiteres Mal ab. Wegen der sich stets verschärfenden Corona-Lage herrscht in der Politik ein Konsens, ausverkaufte Stadien schnellstmöglich zu untersagen und die Zuschauerkapazitäten in den Bundesligen wieder drastisch zu reduzieren. Bei der Telefonkonferenz von Bund und Ländern mit der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem designierten Nachfolger Olaf Scholz (SPD) am Dienstag sprachen sich die unionsgeführten Bundesländer dafür aus, dass bei Großveranstaltungen die Kapazität nur zu einem Drittel ausgelastet werden darf. Beschlüsse gab es noch nicht, Details für härtere Maßnahmen in der Corona-Pandemie sollen bis Donnerstag ausgearbeitet werden.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert gar Geisterspiele in der Bundesliga bis zum Jahresende. „Wenn Weihnachtsmärkte zu sind, ist es nicht stimmig, volle Stadien zu haben“, sagte der CSU-Politiker am Dienstag bei einem Statement. Fraglich ist aber, ob da andere Bundesländer mitziehen, bei denen die Inzidenzen weitaus niedriger als in Bayern sind. „Wir versuchen, das nochmal deutschlandweit umzusetzen, wir würden aber in Bayern da an der Stelle auch einen Alleingang machen“, erklärte Söder weiter.
In Bayern, wo Anfang des Monats noch 75 000 Fans in der voll besetzten Münchner Arena waren, ist schon aktuell nur noch eine Auslastung von 25 Prozent erlaubt. Im ebenfalls stark von der Pandemie betroffenen Sachsen gibt es gar Profisport ohne Publikum, Baden-Württemberg hat einen solchen Schritt angekündigt. Und auch in Niedersachsen kann sich Innenminister Boris Pistorius Geisterspiele vorstellen. „Die Verordnung wird ab nächster Woche dann im Zweifel eben auch vorsehen, auf eine Kapazitätsgrenze von 25 Prozent herunterzugehen oder sogar zu Geisterspielen“, sagte Pistorius in Hannover.
Darauf will sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst noch nicht festlegen, aber 67 000 Fans – wie ursprünglich vorgesehen – werden den Klassiker Borussia Dortmund gegen Bayern München am Samstag wohl nicht verfolgen dürfen. „Entscheidend ist: So Bilder wie vom Wochenende in Köln darf es und wird es nicht wieder geben“, sagte Wüst mit Blick auf das Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Beim Derby waren 50 000 Fans zugelassen, das hatte bundesweit für viel Kritik gesorgt. dpa