München – Sie verstehen die (Fußball)-Welt nicht mehr: Zahlreiche Experten haben massive Kritik an der Wahl von Lionel Messi, 34, zum Weltfußballer 2021 geäußert. Der argentinische Zauberfuß verwies Bayern-Ausnahmestürmer Robert Lewandowski, 33, trotz zahlreicher Tor-Rekorde auf Platz zwei. Insbesondere der letzte deutsche Weltfußballer, Lothar Matthäus, 60, bricht eine Lanze für den polnischen Angreifer: „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Bei allem Respekt für Lionel Messi: Keiner hätte es so verdient gehabt wie Lewandowski“, sagte Matthäus bei Sky. „Dass er nicht gewonnen hat, ist für mich nicht nachvollziehbar.“
Die liebevollsten Worte erhielt Lewandowski nach seiner Weltfußballer-Watschn von Ehefrau Anna. „Meine Liebe, für mich bist du der Beste. Ich bin immer stolz auf dich! Ich liebe dich bis zum Mond und zurück!“ Roberts bessere Hälfte gehörte am Montagabend ebenso zum Bayern-Reisetross wie Vorstandsboss Oliver Kahn, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Cheftrainer Julian Nagelsmann.
Kahn, im Jahr 2002 selbst Zweitplatzierter bei der Weltfußballerwahl, äußerte zumindest leise Kritik an der Entscheidung. „Neben seiner Ehrung zum Stürmer des Jahres hätte Lewy den Ballon d’Or genauso verdient gehabt, weil er seit Jahren jeden Tag absolut Herausragendes leistet“, schrieb der Bayern-Boss und schloss die Akte Weltfußballer mit den Worten: „Auch ohne den Goldenen Ball ist Lewy im Olymp der Größten des Weltfußballs längst angekommen.“
Sportvorstand Salihamidzic schlug ähnliche Töne an: „Wir hätten diesen Titel Robert Lewandowski von Herzen gegönnt! Wir sind stolz, diesen Ausnahmespieler in unseren Reihen zu haben.“ Selbst der frisch gebackene Weltfußballer erklärte, dass Lewandowski den Titel eigentlich verdient gehabt hätte. Messi schlug vor, Lewy die Auszeichnung für 2020 nachträglich zu verleihen. Dieses Vorgehen schloss Ballon-d´Or-Chef Pascal Ferre gester Abend nicht aus: „Wir können darüber nachdenken und sollten gleichzeitig die Geschichte des Ballon d’Or respektieren, die auf Wahlen basiert.“
Das sarkastischste Fazit zog Ex-Bundesliga-Profi Jan Aage Fjörtoft, 54, der Norweger twitterte: „Saison 26/27. Lewandowski schoss gerade 63 Tore in einem Jahr. Er entwickelte die effektivste Heilung für Covid. Er gewann die Champions League. Er wurde gerade zweiter polnischer Papst nach Johannes Paul II. Er gewann sensationell mit Polen die WM. Messi gewann den Ballon d’Or.“
Nicht ganz überraschend übte Pini Zahavi, 78, Lewandowskis Berater, Kritik an der Entscheidung der Journalisten-Jury. „Ganz große Glückwünsche an Messi: ein beeindruckender Spieler und eine ewige Legende des Fußballs“, betont der Israeli im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber der Ballon d’Or 2021 gehört nicht ihm. Nicht dieses Mal. Der Goldene Ball gehört Robert Lewandowski. Robert wurde zwar nicht beraubt, aber er ist der Mann, der ihn verdient hat.“
Besonders bitter: 2020, als Lewandowski mit dem FC Bayern alles gewann, was es zu gewinnen gibt, fiel die Weltfußballer-Auszeichnung der Fachzeitung „France Football“ coronabedingt aus.
Dieses Jahr ging der polnische Super-Knipser jedenfalls ohne den Goldenen Ball nach Hause. Obwohl er in der abgelaufenen Bundesliga-Saison unter anderem mit 41 Toren den Rekord von Gerd Müller knackte. „Kein Wunder, dass viele hunderte Millionen Fans das Endergebnis dieses prestigeträchtigen Fußballereignisses nur schwer glauben können“, meint Zahavi. „Der Montagabend hätte damit enden müssen, dass Robert seinen ersten Ballon d’Or feierte.“ Stattdessen bekam er an diesem denkwürdigen Abend den neu geschaffenen Preis als bester Torjäger – ein schwacher Trost für den Ausnahmestürmer.