Damit keine Missverständnisse aufkommen: Lionel Messe ist zweifelsohne ein grandioser Fußballer, ein Zauberer, ein Wunderstürmer. Seine Turbo-Dribblings sind einzigartig, seine Freistöße gehören ins Lehrbuch. Vielleicht hat dieses Spiel, das auf der ganzen Welt geliebt wird, nie einen Besseren hervorgebracht. In jedem Fall zählt Messi zu den absoluten Ausnahmekickern. Ist also schon eine Legende wie Pele, Maradona, Cruyff, Beckenbauer. Und es ist dem phänomenalen Argentinier auch von Herzen zu gönnen, dass er Rekordsieger des „Ballon d’Or“ ist – allerdings mit einer Einschränkung: Die siebte Kür zum Fußballer Europas hat er – so hart es klingen mag – nicht verdient. Denn diesmal gehört die Trophäe, und da werden alle Fußballgötter zustimmen, sicher einem anderen: Robert Lewandowski.
Der Pole ist schon seit Jahren die permanente Torgefahr in Person. In der zurückliegenden Saison übertraf er sich selbst. Mit 41 Volltreffern brach er den Uralt-Bundesliga-Rekord des gleichermaßen fabelhaften Gerd Müller (der übrigens anno 1970 für zehn WM-Tore mit dem Ballon d’Or geadelt wurde). Messi kam dagegen beim FC Barcelona nur auf 30 Saisontore; in der aktuellen Hinrunde steht für den nach Paris abgewanderten 34-Jährigen gerade mal ein Törchen zu Buche. Zum Vergleich Lewandowski: 14 Tore in 13 Spielen. Zudem führt er die Torschützenliste der laufenden Champions League an (neun Treffer in fünf Spielen); Messi hat bislang drei Treffer auf dem Konto. Unter dem Strich ergibt das ein klares Plus für den Bayern-Angreifer. Sicher, Messi hat seine Argentinier zum Sieg in der Copa America geführt, aber das wiegt Lewandowskis Rekord-Statistik nicht auf. Zumal dieser sein Spiel balltechnisch perfektionierte, Tore aus allen Lagen und Situationen schoss. Einen kompletteren Mittelstürmer hat es wohl noch nie gegeben.
Dass Messi dennoch mit 33 Stimmen vorne lag, empfinden nun viele – nicht von ungefähr – als extrem ungerecht, ja als Skandal. Gab es geheime Absprachen unter den Juroren? Wurde nach Sympathie und nicht nach Leistung abgestimmt? In jedem Fall wirft die Wahl ein schlechtes Licht auf eine im Grunde sehr ehrwürdige Veranstaltung. Seit 65 Jahren wird der Goldene Ball vergeben – und seine Gewinner stehen für die Ruhmeshalle der Fußballgeschichte. Der Bogen spannt sich nun von Stanley Matthews (1956), dem englischen Dribbelkönig, bis Lionel Messi (2021). Robert Lewandowski gehört sicher auch dazu.
Armin.Gibis@ovb.net